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Medizin

Herzinfarkt: FDA will trans-Fettsäuren verbannen

Mittwoch, 17. Juni 2015

dpa

Silver Spring – Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) will teilweise gehärtete Fette, eine wichtige Quelle von trans-Fettsäuren, aus Nahrungsmitteln verbannen. Die Behörde gibt den Herstellern drei Jahre Zeit, um vollständig auf die Verwendung der industriell modifizierten Fette zu verzichten, die von US-Experten mit einem erhöhten Herzinfarkt- und anderen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht werden.

Trans-Fettsäuren entstehen bei der unvollständigen Härtung von Pflanzenölen, die seit den 1960er Jahren die tierischen Fette bei der Produktion von Backwaren und zum Frittieren von Fastfood-Gerichten ersetzt haben. Dies geschah nicht nur aus Kostengründen. Tierische Fette wurden zunehmend als ungesund eingestuft. Fast-Food-Ketten wie McDonalds gerieten in die Kritik, weil sie die Pommes Frites mit Rindertalg frittierten.

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Nach und nach verdrängten Pflanzenöle die tierischen Fette. Ab den 1980er Jahren gerieten dann die trans-Fettsäuren in die Diskussion. Am Anfang standen Studien, die den Verzehr mit einem Anstieg des LDL-Cholesterins in Verbindung brachten (zum Beispiel NEJM 1990; 323: 439-445). Dann folgte die Auswertung der großen prospektiven Beobachtungsstudien wie der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study, in denen ein vermehrter Verzehr mit einem erhöhten Risiko auf eine koronare Herzkrankheit assoziiert war.

Die relativen Risiken waren eher gering. Dariush Mozaffarian von der Harvard Medical School in Boston gibt sie in einem einflussreichen Artikel im New England Journal of Medicine 2006; 354: 1601-13) mit 1,29 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,11 bis 1,49) an. Das stellt an sich kein besonders großes Risiko für den Einzelnen dar, wegen der starken Verbreitung der trans-Fettsäure kamen die Epidemiologen in Hochrechnungen zu den Ergebnis, dass in den USA jährlich 20.000 Menschen infolge des Konsums von trans-Fettsäuren am Herzinfarkt starben (und nicht etwa, weil sie mit dem Fastfood zu viele Kalorien zu sich nahmen und immer dicker wurden).

Der Bewegung zum Verbot konnte sich die FDA nicht widersetzen. Schon seit 2006 müssen alle Hersteller die Konzentration der trans-Fettsäuren auf ihren Produkten angeben, was den Ausstieg der Nahrungsmittelindustrie aus den trans-Fettsäuren einleitete.

Die FDA schätzt, dass der Konsum von trans-Fettsäuren in den Jahren von 2003 bis 2012 um 78 Prozent zurückging. Der Rückgang dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen, denn die FDA verlangt von den Herstellern, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre die gesundheitliche Unbedenklichkeit der trans-Fettsäuren nachweisen.

Dies ist kein Verbot, doch die Durchführung von prospektiven Interventionsstudien wäre mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden und mit der Gefahr behaftet, dass sich die Ergebnisse aus den prospektiven Beobachtungsstudien bestätigen. Dies wird kein Hersteller wagen, zumal trans-Fettsäuren derzeit nicht populär sind.

In Europa wurde das Thema nur teilweise aufgegriffen. Gesetzliche Regelungen gibt es derzeit in Dänemark (2003), Island (2010) und Österreich. In Deutschland gibt es (außer bei Säuglingsnahrung) keine Höchstmengen, trans-Fettsäuren sind nicht einmal deklarierungspflichtig. Das Bundeslanwdirtschaftsministerium hat sich bisher auf unverbindliche Leitlinien beschränkt. Im letzten Jahr wurde eine „Initiative für weniger trans-Fettsäuren in Lebensmitteln“ gegründet. © rme/aerzteblatt.de

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