NewsMedizinDOCK2-Mangel: Neuer schwerer angeborener Immundefekt entdeckt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

DOCK2-Mangel: Neuer schwerer angeborener Immundefekt entdeckt

Donnerstag, 18. Juni 2015

Wien – Ein Gendefekt, der die Beweglichkeit von T-Lymphozyten und anderen Abwehrzellen einschränkt und deren baldigen Untergang herbeiführt, ist für einen schweren kombinierten Immundefekt verantwortlich, den ein Forscherteam im New England Journal of Medicine (2015; 372: 2409-2422) beschreibt.

Die fünf Patienten, drei davon Kinder von blutsverwandten Eltern, erkrankten bereits in den ersten Lebensmonaten an schweren Infektionen. Sie wurden durch harmlose Viren wie Varizella-Zoster-Virus, Mumpsvirus oder das Zytomegalievirus ausgelöst, die Kindern mit einem intakten Immunsystem nicht gefährlich werden. Zwei der fünf Kinder starben im Alter von 20 Monaten oder 6 Jahren an den Folgen der ständigen Infektionen, die anderen drei wurden durch eine hämatopoetische Stammzelltransplantation geheilt.

Zu den charakteristischen Laborbefunden zählte ein T-Zell-Mangel sowie Funktions­störungen von T-Zellen, B-Zellen und natürlichen Killerzellen. Eine verminderte RAC1-Aktivierung, eine gestörte Chemotaxis und die verminderte Aktin-Polymerisation in B- und in T-Zellen zeigte an, dass dem Immundefekt eine Beweglichkeitsstörung der Abwehrzellen zugrunde lag.

Anzeige

Die Ursache konnte ein Team um Kaan Boztug vom CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin in Wien durch Genomsequenzierung („Next Generation Sequencing“) ermitteln. Bei allen fünf Kindern, die aus der Türkei, dem Libanon, Finnland und aus Honduras/Nicaragua stammten und nicht miteinander verwandt waren, lagen Mutationen in beiden Allelen des DOCK2-Gens („dedicator of cytokinesis 2 gene“) vor. Dieses Gen wird in menschlichen Zellen überwiegend in den peripheren Blutleukozyten aktiviert, wo es in den Stoffwechsel des Aktinzytoskeletts eingreift und damit die Lymphozytenmigration beeinflusst.

Die Auswirkungen sind nach den Untersuchungsergebnissen von Boztug jedoch nicht auf die Blutzellen beschränkt. Eine gestörte Bildung von Interferonen erhöht auch die Anfälligkeit anderer Körperzellen insbesondere für Virusinfektionen. Boztug vermutet, dass eine Behandlung mit Interferon alfa2b den Patienten bei schweren Virusinfektionen nutzen könnte. Die Therapie der Wahl bleibt jedoch eine frühzeitige allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation, die eine langfristige Wiederherstellung des Immunsystems ermöglicht. Durch die Analyse des Gendefekts kann die Störung demnächst weltweit in Labors diagnostiziert werden, schreiben die Forscher. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG Wort
NEWSLETTER