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Medizin

Antazida begünstigen C. difficile bei Kindern

Freitag, 19. Juni 2015

Clostridium-difficile /CDC

New York – Ein Anstieg von Darminfektionen mit C. difficile bei Kindern in den USA ist möglicherweise auf die zunehmende Verordnung von Antazida in dieser Altersgruppe zurückzuführen. Eine Studie in Clinical Infectious Diseases (2015; doi: 10.1093/cid/civ432) ermittelte ein deutlich erhöhtes relatives Erkrankungsrisiko in den ersten Wochen der Behandlung.

In den USA hat sich die Zahl der Darminfektionen mit C. difficile bei Kindern in den letzten Jahren verzehnfacht. Immer häufiger erkranken gesunde Kinder und sogar Säuglinge, berichtet Daniel Freedberg vom Columbia University Medical Center in New York. Die Erkrankungen ließen sich in der Regel nicht auf die klassischen Risikofaktoren zurück­führen, zu denen ein häufiger Einsatz von Antibiotika, entzündliche Darmer­krankungen oder Abwehrschwächen gehören. Freedberg hat einen anderen Verdacht. In den USA würden zunehmend Kinder mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und anderen Antazida behandelt. Die Indikationen sind häufig banal. Teilweise würden sogar Spuck­kinder („happy spitters“) behandelt, obwohl diese Störung keinen Krankheitswert hat.

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Um einen möglichen Zusammenhang mit den C. difficile-Infektionen zu untersuchen, hat Freedberg die Daten des „Health Improvement Network“ ausgewertet. Die Datenbank speichert die elektronischen Krankenakten britischer Hausarztpatienten. Freedberg fand 650 C. difficile-Infektionen bei Kindern ohne eine Begleiterkrankung, die die Infektion erklären könnte. Insgesamt 17 der 650 Kinder (2,6 Prozent) waren in den 90 Tagen vor Beginn der Erkrankung PPI oder H2-Rezeptor-Antagonisten verschrieben worden.

In einer Kontrollgruppe hatten nur 8 von 3.200 Kindern (0,3 Prozent) ohne C. difficile-Infektionen diese Medikamente erhalten. Freedberg errechnet eine Odds Ratio von 7,66, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 3,24 bis 18,1 signifikant war. Mit anderen Worten: Kinder, die Antazida einnehmen, erkranken 7,6 Mal häufiger an C. difficile-Infektionen als andere Kinder. Die Assoziation bestand sowohl bei Kindern im ersten Lebensjahr (Odds Ratio 5,24; 1,13-24,4) als auch bei älteren Kindern (Odds Ratio 9,33; 3,25 bis 26,8). PPI hatten dabei einen größeren Einfluss als die schwächer wirksamen H2-Rezeptor-Antagonisten.

Freedberg weist darauf hin, dass die Darmflora von Kindern in den ersten vier bis fünf Lebensjahren durch äußere Einflüsse leicht verändert werden kann. Er hält es für möglich, dass Störungen durch Antibiotika oder PPI langfristige Folgen haben kann. © rme/aerzteblatt.de

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