NewsPolitikHilfsangebote für traumatisierte Flüchtlingskinder fehlen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hilfsangebote für traumatisierte Flüchtlingskinder fehlen

Freitag, 19. Juni 2015

dpa

Hannover – In Deutschland fehlen Hilfsangebote für traumatisierte Flüchtlingskinder, die in wachsender Zahl und oft ohne ihre Eltern ankommen. Viele dieser Mädchen und Jungen hätten aufgrund von Gewalterfahrungen schwere psychische Traumata erlitten, sagte die Vorstandsvorsitzende des Kinderhilfswerks Terre des Hommes, Danuta Sacher, am Freitag. Sie seien auf schnelle und qualifizierte Hilfe angewiesen. Nach Angaben der Organisation werden die seelischen Probleme der Kinder vielfach gar nicht erkannt. Außerdem stehen zu wenig Psychotherapeuten für sie zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr kamen etwa 10.000 unbegleitete Flüchtlinge unter 18 Jahren in der Bundesrepublik an. Insgesamt warten rund 41.000 Minderjährige auf die Entscheidung über ihren Asylantrag, 25.000 Jungen und Mädchen haben den unsicheren Duldungsstatus.

Anzeige

Unter den minderjährigen Asylbewerbern sind geflüchtete Kindersoldaten aus Afrika sowie Opfer sexueller Gewalt. „Wir wissen, dass die Terrormiliz Islamischer Staat systematisch Kinder vergewaltigt, auch Jungen”, sagte die Leiterin des Referats Kinderrechte bei Terre des Hommes, Barbara Küppers.

„Wir werden auch auf lange Sicht keinen Therapeuten für jedes Kind finden”, sagte Gisela Penteker vom Netzwerk traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen. Allerdings funktionierten die Selbstheilungskräfte vieler Jungen und Mädchen gut, wenn sie in der Schule und in ihrer Freizeit aufgefangen werden und sichere Räume finden. Dies sei auch ein Verdienst der vielen ehrenamtlichen Helfer vor Ort, sagte Penteker.

Die Experten forderten bei der Tagung in Hannover Schulungen für Mitarbeiter von Erstaufnahmeeinrichtungen, Erzieherinnen und von Lehrern, um Traumatisierungen zu erkennen. Das Asylbewerberleistungsgesetz erlaubt zwar die „notwendige Behandlung akuter Krankheiten“, allerdings fehlen häufig Dolmetscher und Ärzte, die sich auf die Therapie eines fremdsprachigen Kindes einlassen. © dpa/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2019
Köln – Seit dem Beginn der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien befinden sich nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef fast 70.000 Kinder auf der Flucht. Bis heute seien in Nordostsyrien
Fast 70.000 Kinder in Nordsyrien auf der Flucht
15. Oktober 2019
Athen/Lesbos – Im völlig überfüllten Migrantenlager der griechischen Insel Samos hat es am gestern Abend nach einem Streit zwischen Syrern und Afghanen schwere Krawalle gegeben. Nach einer
Ausschreitungen in Migrantenlager auf Samos
15. Oktober 2019
Rom – Italien hat der Hilfsorganisation SOS Méditerranée erlaubt, die 176 Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffs „Ocean Viking“ an Land zu bringen. Das teilte die Organisation gestern am späten Abend
Italien lässt Flüchtlinge von „Ocean Viking“ an Land
14. Oktober 2019
Potsdam – Die künftige rot-schwarz-grüne Koalition will in Brandenburg künftig mehrere hundert Flüchtlinge aus humanitären Notlagen aufnehmen. „Wir haben uns auf zwei sehr ambitionierte Programme
Koalitionsrunde in Brandenburg beschließt Aufnahmeprogramme für Flüchtlinge
10. Oktober 2019
Darmstadt –Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) eines Straßenwärters ist einem Urteil zufolge nicht als Berufskrankheit anzusehen und wird daher nicht entschädigt. Es gebe keinen generellen
Posttraumatische Belastungsstörung ist keine Berufskrankheit
9. Oktober 2019
Luxemburg – Die von Bundesinnenminister Horst Seehofer verhandelte Übergangslösung zur Rettung von Bootsflüchtlingen kommt kaum voran. Bei einem EU-Innenministertreffen in Luxemburg schloss sich
Seehofers Übergangslösung für Seenotrettung kommt kaum voran
7. Oktober 2019
Washington – In einer weiteren Verschärfung der US-Einwanderungsgesetze will Präsident Donald Trump künftig alle Einwanderer abweisen lassen, deren gesundheitliche Versorgung nicht abgesichert ist.
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER