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Medizin

Melanom: Genom-Analyse legt neue Klassifizierung nahe

Sonntag, 21. Juni 2015

Houston – Ein internationales Forscherteam schlägt nach der bisher größten Genom-Analyse zum malignen Melanom eine Neueinteilung in vier Gruppen vor. Die in Cell (2015; 161: 1681-1696) veröffentlichten Daten liefern auch Anregungen für neue Therapieansätze oder prognostische Tests.

Die Einteilung des malignen Melanoms, dessen Inzidenz derzeit in westlichen Ländern mit einer hellhäutigen Bevölkerung stärker als jede andere Krebserkrankung steigt, erfolgt heute nach dermatologischen Kriterien. Form und Tiefenausdehnung liefern wichtige Hinweise für die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung. Die Aggressivität des Tumors wird jedoch von Faktoren bestimmt, die im Inneren der einzelnen Zellen vermutet werden. Ein internationales Forscherteam um Jeffrey Gershenwald vom MD Anderson Cancer Center in Houston, dem auch deutsche Kollegen angehören, hat deshalb in einem fünfjährigen Projekt das Genom von 333 Melanomen analysiert.

Am Ende machen sie einen Vorschlag zu einer Einteilung in vier Gruppen. Unterschieden werden sollten Tumore mit Mutanten in den Genen BRAF, RAS oder NF1 sowie der Typ Triple-WT (für „wild-type“), bei dem keine dieser Mutationen vorliegt. Diese Einteilung sei sinnvoll, meint Gershenwald, da mit den BRAF-Inhibitoren und MEK-Inhibitoren bereits Wirkstoffkombinationen eingesetzt würden, die auf den BRAF-Signalweg eingreifen.

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Kombinationen mit MEK-Inhibitoren würden derzeit auch bei Melanomen mit RAS-Mu­tanten untersucht. Schließlich gebe es präklinische Studien, die den Einsatz von MEK-Inhibitoren an NF1-Melanomzelllinien untersuchen. Auch für Patienten mit einem Triple-WT-Melanom könnte es spezielle Therapien geben: In den Tumoren wurden eine Reihe von Enzymen wie KIT, PDGFRA oder KDR (VEGR2) gefunden, die Angriffspunkte für spezielle Tyrosinkinase-Inhibitoren sein könnten.

Die Prognose der Patienten wird allerdings weniger von den Genen der Melanomzellen als von den Genen der Abwehrzellen bestimmt, die häufig in den Tumoren gefunden werden. Wenn diese tumor-infiltrierenden Lymphozyten das LCK-Protein, einen T-Zell-Marker, bilden, verbesserte dies in der Studie die Prognose der Patienten. Dieser Befund ist nicht überraschend, da sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, die die Bremsen des Immunsystems lösen, bereits zum therapeutischen Inventar (Ipilimumab) gehören oder kurz vor der Zulassung (Nivolumab) stehen. © rme/aerzteblatt.de

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