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Politik

Diskussion um das Hautkrebs-Screening

Montag, 22. Juni 2015

dpa

Berlin – Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) hat erneut die Sinnhaftigkeit des Hautkrebsscreenings in Deutschland hinterfragt. „Das Nutzen-Schaden-Verhältnis des Hautkrebsscreenings in Deutschland lässt sich weiterhin nicht quantifizieren“, heißt es in einer Stellungnahme des Netzwerkes. Nach den deutschen Krebsregisterdaten gebe es weder eine Abnahme der Mortalität noch der fortge­schrittenen Stadien des Melanoms, so das DNEbM.

Das Hautkrebs-Screening wurde im Jahr 2008 in Deutschland eingeführt. Die Entschei­dung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) für das Screening ist seinerzeit unter der Auflage gefallen, es wissenschaftlich zu evaluieren. Der mittlerweile vorlie­gende Bericht ist laut dem Netzwerk jedoch unzureichend, entscheidende Fragen blieben weiterhin offen. „An der Unsicherheit zu Nutzen und Schaden hat sich nichts geändert. Es wurde die Chance vertan, zumindest Prozessparameter und die Güte der Unter­suchungen zu erfassen“, kritisierte das DNEbM.

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Allerdings sei es seit der Einführung des Screenings zu einer erheblichen Zunahme an Hautkrebsdiagnosen und operativen diagnostischen und therapeutischen Eingriffen gekommen. „Da eine andere Ursache als das Screening für den plötzlichen und anhaltenden Anstieg der Diagnosen nicht plausibel erscheint, deuten diese Daten auf eine erhebliche Rate an Überdiagnosen und Übertherapien hin“, kritisiert das Netzwerk. Sollte der G-BA das Programm trotzdem fortführen, „empfehlen wir dringend, eine nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin prospektiv geplante kontrollierte Evaluation zu Nutzen und Schaden des Hautkrebs-Screenings durchzuführen“, heißt es in der Stellungnahme.

Zu einer ganz anderen Bewertung der Datenlage kommt der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Das vom G-BA beauftragte Institut für Qualität und Patientensicherheit komme nämlich in seinem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass trotz einer steigenden Zahl von malignen Melanomen die Sterblichkeitsrate nach Krebsregisterdaten konstant niedrig bleibe. „Dies ist ein Erfolg und nicht etwa ein Hinweis auf die Nutzlosigkeit des Screenings“, betonte der BVDD-Präsident Klaus Strömer. © hil/aerzteblatt.de

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