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Ärzteschaft

KV Hessen verteidigt neuen ärztlichen Bereitschaftsdienst

Montag, 22. Juni 2015

Frankfurt – Der Vorstand und die Vorsitzenden der Vertreterversammlung der Kassen­ärztlichen Vereinigung (KV) Hessen wehren sich gegen Kritik am neuen ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) in dem Bundesland. „Trotz zu erwartender Startprobleme und teilweise zu langer Wartezeiten am Telefon hat die Reform des ÄBD in Hessen funkti­oniert“, zogen die Vorsitzenden heute Morgen in Frankfurt ein Fazit der Reform.

Seit Januar nehmen zwei sogenannte Dispozentralen – eine in Frankfurt, eine in Kassel – alle Anrufe entgegen, die unter der Telefonnummer 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst eingehen. Die Mitarbeiter der beiden Zentralen betreuen und vermitteln alle Patienten in Hessen, die außerhalb der Praxisöffnungszeiten einen Haus- oder Facharzt kontaktieren wollen.

Vorher riefen diese in vielen Regionen direkt ihren Hausarzt oder dessen Vertreter an oder wandten sich an eine regionale Zentralstelle. Der Bereitschaftsdienst war in den Regionen unterschiedlich organisiert und honoriert. In manchen Regionen fand sich kaum einer, der diese Dienste machen wollte.

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Die Umsetzung der Reform war Anfang des Jahres abgeschlossen. Der Teamleiter der Dispozentrale Süd, Jan Riehle, räumt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa ein, „dass die Reform an der einen oder anderen Ecke gehakt hat und Ärzten wie Patienten einiges abgefordert hat“. Aber dass Anrufer rund 30 Minuten und mehr in einer Warteschleife steckten, wie der hessische Landkreistag berichtet, treffe nicht zu. Der absolute Ausreißer seien einmal 19 Minuten gewesen.

Die Erreichbarkeit war allerdings anfangs nicht so wie gehofft, erklärte Riehle. Grund war die Grippewelle. Während viele Mitarbeiter selbst krank waren, gab es weit mehr Anrufe als erwartet – 60.000 im Februar. In dieser Phase habe mancher Patient nach zehn Minuten frustriert aufgelegt oder sich dann am Telefon beschwert.

Das Personal wurde aber seither aufgestockt. In Kassel gab es zum Start im Oktober vergangenen Jahres 25 Köpfe, derzeit sind es 42. In Frankfurt stieg die Zahl von 48 auf 80. In Spitzenzeiten sitzen 18 Arzthelferinnen, Pfleger oder Rettungsassistenten und ein Arzt am Telefon.

Neben der Personalaufstockung gibt es in den Dispozentralen nun auch eine Nebenlinie für allgemeine Auskünfte. Denn 60 Prozent der Anrufer brauchten gar keine Hilfe, sondern wollten wissen, welche Apotheke offen habe oder wie man den Tierarzt erreiche. Häufig stellten Patienten auch Fragen, die schon am Telefon beantwortet werden könnten – etwa, ob sie ihr gebrochenes Bein hoch lagern sollten.

Kritik erlebte die KV aber nicht nur von außen, sondern auch aus den eigenen Reihen. „Dass uns die Kollegen nicht applaudieren, wenn sie ein geringeres Honorar im ÄBD erhalten als vorher, hat uns nicht überrascht“, erläuterten die Vorsitzenden heute Morgen. Kritisch sei aber, dass einige Ärzte ihre Honorarkritik hinter Scheinargumenten versteckt hätten, zum Beispiel, dass die Versorgung wegen der Reform zusammen­zubrechen drohe.

Andere Ärzte argumentierten laut der KV, dass sie nach teilweise einigen Jahren Pause nicht qualifiziert seien, Patienten im ÄBD zu betreuen. „Es stehen mit akuten Infektionen der oberen Atemwege, Rückenschmerzen und Mandelentzündungen drei Erkrankungen an der Spitze der ‚Top10‘, die für ausgebildete Mediziner keine unüberwindbaren Hürden in einer angemessenen Behandlung darstellen sollten“, erklärten die KV-Vorstände.

Hinter einem „Ich kann nicht“ verstecke sich dann wohl sehr oft ein „Ich will nicht“. Der KV-Vorstand wies daraufhin, dass alle Niedergelassenen durch die Berufsordnung verpflichtet seien, sich nicht nur am Bereitschaftsdienst zu beteiligen, sondern sich auch kontinuierlich dafür fortzubilden. Sie betonten aber, regionale Probleme „soweit möglich im Dialog“ lösen zu wollen. Dazu sei die KV im ständigen Austausch mit Landräten, Kreisbeigeordneten und den Obleuten vor Ort. © hil/aerzteblatt.de

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