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Medizin

Okkulte Tumore: CT-Screening bei venöser Thromboembolie ohne Vorteile

Dienstag, 23. Juni 2015

Ottawa – Venöse Thromboembolien ohne erkennbare Ursache weisen nicht selten auf eine unentdeckte „okkulte“ Krebserkrankung hin. Ein systematisches Screening mit einer Computertomographie von Thorax und Abdomen hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1506623) die Früher­kennung jedoch nicht verbessern können.

Tiefe Venenthrombosen oder Lungenembolien sind nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung. Häufig gibt es Gründe für die venöse Thrombo­embolie. Sie können durch Verletzungen, Operationen oder längere Immobilität des Patienten ausgelöst werden. In etwa der Hälfte der Fälle bleibt die Ursache für die Bildung der Blutgerinnsel jedoch unklar. Diese venösen Thromboembolien mit unklaren Ursachen gelten als ominöser Hinweis.

In früheren Studien wurde bei bis zu 10 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres eine Krebserkrankung diagnostiziert. Viele Ärzte raten deshalb zu einer systematischen Tumorsuche. Üblich ist ein niederschwelliger Ansatz mit Anamnese, klinischer Unter­suchung, Laboranalyse und einem Röntgenthorax. Die „Screening for Occult Malignancy in Patients with Idiopathic Venous Thromboembolism“ oder SOME-Studie hat untersucht, ob eine Computertomographie von Thorax und Abdomen die Tumorsuche verbessern kann.

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An neun kanadischen Zentren wurden 854 Patienten mit unerklärlicher tiefer Venen­thrombose und/oder Lungenembolie auf die beiden Strategien randomisiert. Zum Basis-Screening gehörte ein großes Blutbild, Leberfunktionstests (AST, ALT, ALP, Bilirubin, LDH) und ein Nierenfunktionstest (Kreatinin) sowie eine Röntgenaufnahme des Thorax. Den Frauen wurde zusätzlich eine Brustuntersuchung und Pap-Abstrich angeboten.

Bei Männern erfolgte eine digitale Prostata-Untersuchung und/oder PSA-Test. Bei der Hälfte der Patienten wurde zusätzlich eine umfassende Computertomographie (CT) von Abdomen und Becken durchgeführt. Sie beinhaltete nach einer Darmvorbereitung auch eine virtuelle Koloskopie und Gastroskopie, ein zweiphasiges CT der Leber, eine Pankreatikographie und ein einphasiges CT der gefüllten Harnblase.

Dieser Mehraufwand hat sich nach Ansicht von Marc Carrier von der Universitätsklinik in Ottawa nicht gelohnt. Tatsächlich wurde bei 33 der 854 Teilnehmer (3,9 Prozent) innerhalb eines Jahres eine okkulte Krebserkrankung entdeckt: Darunter waren 14 von 431 Patienten (3,2 Prozent) im Studienarm mit der begrenzten Früherkennung und 19 von 423 Patienten (4,5 Prozent) im Studienarm mit dem zusätzlichen CT-Screening. Im Studienarm mit begrenzter Früherkennung wurden vier okkulte Karzinome (29 Prozent) übersehen. Im Studienarm mit zusätzlichem CT-Screening wurden fünf (26 Prozent) okkulte Krebserkrankungen verpasst.

Die Unterschiede, die nicht signifikant waren, sie sprechen nach Ansicht von Carrier gegen das CT-Screening, das für die Patienten mit zusätzlichen Unannehmlichkeiten (Darmvorbereitung) und Risiken (Strahlenexposition) verbunden sei und zudem durch falsch-positive Ergebnisse Ängste auslösen könne. Die gute Nachricht der Studie ist für Carrier, dass die Gefahr von okkulten Krebserkrankungen bei venöser Thromboembolie niedriger ist als bisher angenommen.

© rme/aerzteblatt.de

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