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Medizin

Viele Raucher haben unterschwellige Lungenleiden

Montag, 22. Juni 2015

Denver – Jeder zweite Raucher oder Ex-Raucher, der in der Lungenfunktionsprüfung die Kriterien einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) noch nicht erfüllte, hatte in einer Studie in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.2735) pathologische Veränderungen in der Computertomographie oder Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Die Diagnose der COPD, die in aller Regel eine Spätfolge eines langjährigen Tabakkonsums ist, wird heute durch eine Lungenfunktionsprüfung gestellt. Die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) hat als spirometrisches Kriterium einen Abfall des Quotienten der Einsekundenkapazität FEV1 zur forcierten Vitalkapazität (FVC) von 0,7 oder eine FEV1 von unter 80 Prozent des für das Alter zu erwartenden Werts festgelegt. Der Zustand der Lunge und die Leistungsfähigkeit der Patienten bleiben dabei außer Acht.

Die COPDGene (die nach genetischen Ursachen für die häufige Erkrankung sucht) bot James Crapo von National Jewish Health in Denver die Gelegenheit, den Zustand der Lungen von Rauchern zu untersuchen, die noch nicht die COPD-Kriterien erfüllten. Bei 8.872 Teilnehmern im Alter von 45 bis 80 Jahren war eine Computertomographie durchgeführt worden. Alle waren aktuelle oder ehemalige Raucher mit mindestens 10 Packungsjahren. Die meisten hatten deutlich mehr geraucht, nämlich zwischen 35 bis 50 Packungsjahre.

Etwa die Hälfte der Teilnehmer war nach den GOLD-Kriterien noch nicht an einer COPD erkrankt. Trotzdem wiesen ihre Lungen zu 42 Prozent ein Emphysem oder eine Verdickung der Atemwege auf. Dreiundzwanzig Prozent litten unter einer erheblichen Atemnot gegenüber nur 3,7 Prozent in einer Kontrollgruppe von Nichtrauchern. Fünfzehn Prozent der Raucher ohne COPD schafften in einem Gehtest weniger als 350 Meter in sechs Minuten, im Vergleich zu 4 Prozent der Niemals-Raucher.

Die COPD-freien Raucher hatten zudem eine deutlich schlechtere Lebensqualität als die Niemals-Raucher: 25 Prozent übertrafen in einem Fragebogen einen Schwellenwert, der eine klinisch signifikante Einschränkung der Lebensqualität anzeigt. Die Ergebnisse widerlegen nach Ansicht der Autoren, dass die meisten Raucher eine gesunde Lunge haben. © rme/aerzteblatt.de

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