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Medizin

Studie findet häufige kardiale Todesfälle durch ICD-Versagen

Dienstag, 23. Juni 2015

Einsatz eines Kardioverter Defibrillator

San Francisco – Fehlfunktionen von implantierbaren Kardioverter Defibrillatoren (ICD) sind möglicherweise häufiger die Ursache eines plötzlichen Herztodes als bisher angenommen, wie eine Studie in JAMA Internal Medicine ergab (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.2641).

ICD sollen Menschen mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen vor einem plötzlichen Herztod schützen. Dass die ICD, die die Herzaktion kontinuierlich überwachen und ventrikuläre Arrhythmien gegebenenfalls durch einen Stromstoß beenden, Menschenleben retten, wurde durch größere randomisierte klinische Studien belegt.

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Diese Studien wurden jedoch an ausgewählten Patienten durchgeführt, die nur über eine begrenzte Zeit nachbeobachtet wurden. Die Indikationsgrenzen sind oft weiter gefasst und die Patienten tragen die Geräte über einen längeren Zeitraum. Die Ergebnisse der Studien lassen sich deshalb nicht unbedingt auf den klinischen Alltag übertragen.

Dass die ICD nicht hundertprozentig sicher sind, zeigen zahlreiche Fallberichte, die die FDA (und andere Kontrollbehörden) in den letzten Jahren zu Sicherheitswarnungen und die Hersteller zur Überarbeitung ihrer Produkte veranlasst hat. Wie häufig diese Fehler zum Tod des Patienten führen, war bislang unbekannt. Eine erste Einschätzung erlauben jetzt die Ergebnisse der „San Francisco POstmortem Systematic InvesTigation of Sudden Cardiac Death“ oder POST SCD Studie.

Im Rahmen der Studie werden alle Menschen, die nach einer Meldung des Leichen­beschauers an einem plötzlichen Herztod gestorben sind, obduziert. Bis November 2013 trafen 517 Meldungen ein. Bei 22 Patienten (4,3 Prozent) wurde bei der Obduktion ein kardiales implantierbares elektronisches Gerät (CIED), also ein ICD oder ein Herzschritt­macher, gefunden.

Elektrophysiologen der Universität von Kalifornien in San Francisco haben die CIED untersucht. Wie das Team um Zian Tseng  mitteilt, ergab die Obduktion bei sechs der 22 CIED-Trägern eine nicht-kardiale Todesursache. Dreizehn waren jedoch an den Folgen einer ventrikulären Tachykardie oder eines Kammerflimmern gestorben, wie die postmortale Auswertung der Geräte ergab. Darunter waren sechs von 14 Patienten, die einen Herzschrittmacher trugen, und sieben von acht Patienten mit einem ICD.

Bei elf der 22 Patienten – vier mit Herzschrittmacher und sieben mit ICD – stellten die Elektrophysiologen technische Fehler fest: In drei Fällen war die Hardware defekt, in fünf Fällen hatten die ICD nicht auf ein Kammerflimmern reagiert (dessen Auftreten sie im Speicher registriert hatten). Ein ICD war falsch programmiert, ein Patient hatte nach Einschätzung von Tseng ein ungeeignetes Gerät erhalten und bei einem Patienten mit einer Pneumonie könnte ein Kabelbruch einen rettenden Stromimpuls verhindert haben.

In einer weiteren Analyse haben die Kardiologen die Krankenakten aller 712 Einwohner ausgewertet, denen im gleichen Zeitraum in San Francisco ein ICD implantiert wurde. Die Analyse ergab, dass während der dreijährigen Studiendauer 109 Patienten (15,3 Prozent) gestorben waren. Darunter waren sieben Patienten (6,4 Prozent), bei denen die Ärzte eine Fehlfunktion des ICD für den Todesfall verantwortlich gemacht hatten.

Die Ergebnisse zeigen, das ICD-Probleme häufiger für einen plötzlichen Tod verantwortlich sind als bislang angenommen und dass in einigen Fällen ärztliche Fehler vorlagen. Tseng fordert deshalb, dass alle CIED-Träger nach ihrem Tod obduziert werden sollten.

© rme/aerzteblatt.de

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