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Politik

Studie bescheinigt privaten Kliniken hohe Effektivität und Akzeptanz

Mittwoch, 24. Juni 2015

Essen – Ein gutes Zeugnis stellt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschafts­forschung (RWI) den Krankenhäusern in privater Trägerschaft aus. Sie seien im Durchschnitt finanzkräftiger und arbeiteten rentabler als freigemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Krankenhäuser, außerdem zahlten sie mehr Steuern und tätigten höhere Investitionen, heißt es in einer Studie. Das RWI hat für die Studie „Kranken­häuser in privater Trägerschaft“ Kennziffern aus den Jahren 2005 bis 2013 ausgewertet. Psychiatrische oder psychotherapeutische Krankenhäuser, reine Tages- und Nachtkliniken sowie Universitätskliniken wurden nicht in die Analysen einbezogen.

Laut der Studie waren im Jahr 2013 sieben Prozent der privaten Krankenhäuser nicht investitionsfähig, während der Wert bei den kommunalen bei 62 Prozent und bei freigemeinnützigen bei 40 Prozent lag.

Aber die Autoren schauten in der Studie nicht nur auf ökonomische Kennziffern, sondern auch auf die Qualität. Dazu wählten sie drei zentrale Indikatoren aus: Die Rate an postoperativen Wundinfektionen, die Rate an Todesfällen im Krankenhaus bei Leistungsbereichen, für die die Information vorliegt, und die Rate an Patienten mit Dekubitus bei Entlassung.

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„Obwohl private Krankenhäuser im Durchschnitt ältere Patienten mit komplexeren Erkrankungen behandeln, lassen sich im Vergleich zu anderen Krankenhausträgern keine signifikanten Unterschiede in der medizinischen Behandlung erkennen“, hieß es aus dem RKI. Auch die Patientenzufriedenheit unterscheide sich nicht. Sie liege laut Patientenbefragungen für alle Träger bei durchschnittlich rund 77 bis 80 Prozent.

Die Zahl der Vollkräfte im Pflegedienst je 1 000 Fälle ist von 2005 bis 2012 bei allen Trägern zurückgegangen. Bei der Zahl der Pflegekräfte je Behandlungstag weisen private Krankenhäuser laut der Studie keine schlechtere Betreuungsrelation auf als andere Träger.

Die Studie tritt auch der Auffassung entgegen, private Häuser siedelten sich nur in Ballungsgebieten an. Vielmehr lagen 18 Prozent der privaten Krankenhauskapazitäten 2012 in ländlichen Regionen. Bei den kommunalen waren es 19 Prozent, bei den freigemeinnützigen Krankenhäusern sieben Prozent. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 24. Juni 2015, 21:48

Lest das Kleingedruckte!

Zugegeben, die 90 PDF-Seiten der Studie sind keine ganz leichte Kost, aber gelegentlich lohnt es schon, sich da durchzuquälen.

Die Beschäftigtenstruktur ist unterschiedlich, bei den Privaten ist die Outsourcingrate besonders hoch. Die Vorteile, aber auch die Risiken des Outsourcings sind ja hinreichend bekannt.

Die Zahl der Pflegekräfte pro Behandlungsfall ist bei den Privaten vergleichbar den anderen Trägern, allerdings haben die Privaten einen deutlich schwereren case mix, das heißt die Pflegekräfte betreuen dort deutlich kränkere Menschen, was dann doch wieder mehr Arbeit macht. Interessant ist die Frage, ob der case mix durch bessere Abrechnung oder durch eine Patientenselektion bedingt ist (umschreibend nennt man so etwas Spezialisierung). Unterdurchschnittlich ist das Engagement der privaten Häuser bei der Aufnahme von Notfallpatienten. Es gibt noch einige weitere Auffälligkeiten in den Daten, die danach rufen verknüpft und bewertet zu werden.

Angesichts der Wichtigkeit des Krankenhaussektors für die Versorgungssicherheit wäre es eine der Kernaufgaben der Redaktion des DÄ nicht einfach einfach eine vorselektierte Zusammenfassung durchzureichen sondern mit eigenen Redakteuren den Text durchzuarbeiten und die Daten in eine einfach verständliche Form zu übersetzen. Derzeit könnte man auf den Gedanken kommen, daß wir hier gezielt mit Information überflutet werden, um die unangenehmen Aspekte der Wahrheit in der Masse zu verstecken.

Ich möchte hier nicht gegen die privaten Träger polemisieren. Sie haben den großen Vorteil, daß das Management in den meisten Fällen effektiver arbeitet. Dies erklärt nach meiner Ansicht aber nur einen Teil des Wettbewerbsvorteils. Die anderen Elemente der besseren Wettbewerbsfähigkeit haben andere Quellen, und da sollte sich ruhig jeder seine eigene Meinung bilden.
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