NewsMedizinTofacitinib: Rheumamittel hilft bei Vitiligo
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Tofacitinib: Rheumamittel hilft bei Vitiligo

Mittwoch, 24. Juni 2015

New Haven – Der Januskinase-Inhibitor Tofacitinib, der in den USA, nicht aber in der EU zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen ist, wirkt auch bei Autoimmun­erkrankungen der Haut, zu denen vermutlich die Vitiligo zählt. In JAMA Dermatology (2015; doi: 10.1001/jamadermatol.2015.1520) berichten US-Mediziner über einen erfolgreichen Behandlungsversuch.

Die genaue Ursache für die Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit ist nicht bekannt. Vieles spricht aber für eine Autoimmungenese. So leiden viele Patienten gleichzeitig an andern Autoimmunerkrankungen und im Blut der Patienten sind häufig Auto-Antikörper nachweisbar. Es wird deshalb angenommen, dass die Abwehrzellen des Körpers für den Untergang der Melanozyten verantwortlich sind, auch wenn die typischen Entzündungs­zeichen anderer Autoimmunerkrankungen in der Haut fehlen.

Auch das Team um Brett King von der Yale University in New Haven in Connecticut ist von der Autoimmungenese überzeugt. Die Dermatologen entschlossen sich deshalb, eine ihrer Patientinnen mit dem Januskinase-Inhibitor Tofacitinib zu behandeln. Die Frau war erst kürzlich an der Vitiligo erkrankt. Innerhalb eines Jahres hatte sich die Erkran­kung auf 10 Prozent der Haut ausgebreitet und vor allem im Gesicht und an den Händen zu Depigmentierungen geführt. Da eine topische Behandlung mit Triamcinolon und eine UV B-Bestrahlung keine Wirkung zeigten, entschlossen sich die Dermatologen zu einem Therapieversuch mit Tofacitinib, das oral verabreicht werden muss.

Anzeige

Die Wirkung trat innerhalb von zwei Monaten ein und nach fünf Monaten hatten sich die Depigmentierungen im Gesichtsbereich und an den Händen deutlich zurückgebildet. Insgesamt 5 Prozent der Haut sind aber weiterhin depigmentiert. Die Patientin habe die Behandlung gut vertragen, berichtet King. Auswirkungen auf Blutbild, Nieren- und Leberfunktion seien nicht zu erkennen. Dennoch dürfte das Risiko von systemischen Nebenwirkungen zu einem zurückhaltenden Einsatz des Mittels führen. Dazu gehört auch das Risiko von Lymphomen, das die Europäische Arzneimittel Agentur EMA 2013 bewog, sich gegen eine Zulassung des Wirkstoffs zu entscheiden.

Im letzen Jahr hatten die Dermatologen der Yale Universität von einem erfolgreichen Behandlungsversuch mit Tofacitinib bei einem Mann mit Alopecia universalis berichtet, einer weiteren Hautkrankheit mit einer Autoimmungenese. Bei dem Mann setzte ebenfalls mit einer Verzögerung von mehreren Monaten ein Haarwuchs ein. Schon bald verfügte der Patient über einen dichten Haarschopf und auch Achseln und Genitalbereich waren behaart. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER