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Medizin

Diabetes-Wirkstoff könnte das Risiko einer Demenz senken

Donnerstag, 25. Juni 2015

Bonn – Bestimmte Antidiabetika könnten neuroprotektiv wirken und das Risiko für eine Demenz senken. Zu diesem Schluss kommen Bonner Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) aufgrund der Analyse von Krankenkassen-Daten. Sie berichten darüber im Fachjournal Annals of Neurology (DOI: 10.1002/ana.24439).

Es ist bereits seit längerem bekannt, dass Patienten mit Diabetes stärker gefährdet sind, eine Demenz zu entwickeln, als Nicht-Diabetiker. Die Bonner Forscher um Michael Heneka, Anne Fink und Gabriele Doblhammer wollten wissen, wie sich orale Antidiabetika auf das Risiko auswirken. Ihre Arbeitsgrundlage waren Daten der Krankenkasse AOK aus den Jahren 2004 bis 2010. Die Datensätze beinhalteten Angaben über Erkrankungen und Medikationen von mehr als 145.000 Männer und Frauen im Alter ab 60 Jahren.

Die Analyse bestätigte bisherige Befunde für ein erhöhtes Demenzrisiko von Diabetikern. Doch es zeigte sich außerdem, dass der Wirkstoff Pioglitazon dieses Gefahrenpotenzial maßgeblich beeinflussen kann: Das Erkrankungsrisiko war um 47 Prozent geringer als bei Nicht-Diabetikern. Am deutlichsten sank das Risiko, wenn der Wirkstoff mindestens zwei Jahre verabreicht wurde. Auch Metformin senkte das Risiko für eine Demenz. Seine Wirkung war jedoch geringer als die von Pioglitazon.

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Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die neuroprotektive Wirkung direkt vermittelt ist, also über die Diabeteskontrolle hinausgeht. Allerdings seien die genauen Zusammen­hänge noch nicht verstanden, betont Heneka: „Die Ursachen dafür, ob der protektive Effekt nur für Diabetiker gilt oder auch bei Nicht-Diabetikern auftreten würde – das alles sind noch offene Fragen. Der nächste logische Schritt wären daher klinische Studien, die die Wirkung von Pioglitazon und die anderer Antidiabetika in Hinblick auf eine Demenz gezielt untersuchen“, sagte der Neurowissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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