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Ärzteschaft

Die KBV verlangt von den Kassen höhere Honorare für Psychotherapeuten

Freitag, 26. Juni 2015

Berlin. „Seit 2008 ist keine Anpassung unserer Honorare mehr erfolgt – und das, obwohl die Überschüsse psychotherapeutischer Praxen weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Überschüsse aller anderen Arztgruppen betragen.“ Das beklagte Dieter Best, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten­Vereinigung (DPtV), am Donnerstag bei einem Symposium seines Verbandes in Berlin zum Thema „Schwere psychische Erkrankungen“.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) findet, dass die Honorare der Psychotherapeuten zu niedrig sind: „Unsere Überprüfung hat ergeben, dass die antrags- und genehmigungspflichtigen Leistungen zu niedrig bewertet sind. Das sollten auch die Krankenkassen anerkennen“, fordert der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, in einer Pressemitteilung.

Am 23. Juni hatte der Bewertungsausschusses in einer Sitzung erneut darüber verhandelt, ob die Vergütung für die genehmigungspflichtigen Leistungen der Psychotherapie im Jahr 2012 und in den Folgejahren die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. KBV und GKV-Spitzenverband konnten sich nicht einigen. „Die Verhandlungen sind gescheitert“, heißt es aus der KBV.

KBV wollte Erhöhung der Honorare rückwirkend um 5,4 Prozent
Die KBV wollte erreichen, dass die Honorierung antragspflichtiger psychotherapeutischer Leistungen (EBM-Abschnitt 35.2) rückwirkend ab 2012 um rund 5,4 Prozent erhöht wird. Damit wäre das Honorar für eine Therapiestunde im Jahr 2012 im Schnitt um 4,35 Euro auf etwa 85,50 Euro gestiegen. Für das laufende Jahr hätte dies eine Anhebung auf 88,65 Euro bedeutet. Der Antrag der KBV sah zudem vor, dass überdurchschnittlich ausgelastete Praxen einen Strukturzuschlag von bis zu 15.000 Euro im Jahr erhalten.

Beide Vorschläge lehnten die Krankenkassen im Bewertungsausschuss nach Darstellung der KBV ab. Sie halten die derzeitige Vergütung für angemessen. Die KBV hat deshalb den Erweiterten Bewertungsausschuss angerufen. Das Schiedsgremium will im August entscheiden.

Psychotherapeutenverbände begrüßen Anrufung des Erweiterten Bewertungsausschuss
Sowohl die DPtV als auch der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) begrüßen diesen Schritt ausdrücklich. Sie erwarten „einen rechtssicheren und sachge­rechten Beschluss“, betonte Best. Die Verbände hatten zuvor „eine Einigung auf Kosten der Psychotherapeuten“ befürchtet. „Doch die KBV hat in einer Weise für uns gekämpft, dass wir sehr zufrieden sein konnten“, sagte Jürgen Doebert, Sachverständiger im Bewertungsausschuss und Mitglied im Vorstand des bvvp, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Ein Streitpunkt in den Verhandlungen mit den Kassen sei der Strukturzuschlag gewesen, hieß es aus der KBV. Dieser Zuschlag sollte die höheren Aufwendungen der Praxisorganisation abdecken, zum Beispiel durch die Beschäftigung von Personal. Es soll ein Anreiz geschaffen werden, dass Psychotherapeuten künftig mehr antrags- und genehmigungspflichtige Leistungen anbieten und so der steigende Bedarf besser gedeckt werden kann.

Die Überprüfung der Psychotherapeutenhonorare, die schon bis Ende 2013 hätte erfolgen sollen, geht zurück auf mehrere Urteile des Bundessozialgerichts. Die Richter hatten entschieden, dass eine voll ausgelastete psychotherapeutische Praxis einen Ertrag erzielen können muss, der dem durchschnittlichen Einkommen vergleichbarer Arztgruppen entspricht.

Die Vergütung genehmigungspflichtiger psychotherapeutischer Leistungen erfolgt seit 2013 außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung und damit extrabudgetär und nicht zulasten der Fachärzte. © pb/aerzteblatt.de

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