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Medizin

Schnelltest diagnostiziert Ebola innerhalb von 15 Minuten

Freitag, 26. Juni 2015

Ein Bluttropfen reicht zur Diagnostik aus /dpablut

Boston – Während die Ebola-Epidemie in Westafrika auf niedriger Flamme köchelt, hat ein US-Team einen Schnelltest erfolgreich in einem Feldversuch getestet. Der ReEBOV-Test könnte sich laut der Publikation im Lancet (2015; doi: org/10.1016/S0140-6736(15)61042-X) mit dem derzeitigen Standardtest messen, auch wenn es einige falschpositive Ergebnisse gab.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat sich in den letzten Monaten stark abgeschwächt. Es werden allerdings weiterhin vereinzelte Erkrankungen gemeldet. In der Woche vor dem 21. Juni wurden 12 neue Erkrankungen in Guinea und acht aus Sierra Leone bekannt. Ein Aufflackern der Epidemie an anderen Orten kann damit nicht ausge­schlossen werden. Ein wichtiges Instrument gegen eine Ausbreitung ist eine rasche Bestätigung der Verdachtsfälle. Bislang geschah dies mit der Polymerasekettenreaktion (PCR), etwa dem von der Firma Altona Diagnostics aus Hamburg entwickelten Ansatz.

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Die PCR ist jedoch umständlich. Den Patienten muss eine Vollblutprobe entnommen werden, was wegen der notwendigen Schutzkleidung mit mehreren Handschuhschichten nicht immer einfach ist. Die Blutprobe musste dann in ein geeignetes Labor transportiert werden, was in Westafrika Stunden, wenn nicht Tage dauerte. In der Zwischenzeit mussten die Verdachtsfälle unter Beobachtung gestellt werden, was sie unter den prekären Verhältnissen in Westafrika nicht selten der Gefahr einer Infektion aussetzte.

Der von der Firma Corgenix aus Broomfield/Colorado entwickelte Test kommt mit einem einzigen Bluttropfen aus der Fingerbeere aus. Es handelt sich um einen Streifentest. Er weist ein Antigen auf dem VP40 Matrixprotein des Ebola-Virus nach. Dies geschieht mittels eines sogenannten „Lateral Flow Immunoassay“: Der Teststreifen wird in ein Reagenzglas gelegt, wo das Serum mittels Kapillarkräften langsam zur Mitte des Teststreifens wandert.

Dort befinden sich Antikörper, die das Antigen binden, was eine Farbreaktion auslöst. Der Test erfordert weder labortechnisches Fachwissen noch Elektrizität und kann deshalb ohne weiteres in abgelegenen Orten des westafrikanischen Regenwalds durchgeführt werden. Ein Ergebnis liegt nach etwa 15 Minuten vor. Die Kosten pro Test sollen nur um die 15 US-Dollar betragen, was wesentlich günstiger ist als ein PCR-Test, der etwa 100 US-Dollar kostet.

Ein internationales Forscherteam hat den Test im Februar an zwei Kliniken in Sierra Leone an 106 Patienten mit dem Altona-Test verglichen. Außerdem untersuchten die Forscher 284 archivierte Blutproben. Wie das Team um Nira Pollock vom Boston Children’s Hospital berichtet, erzielte der Schnelltest in allen Fällen eine Sensitivität von 100 Prozent. Bei einer Spezifität von 92 Prozent gab es allerdings einige falsch-positive Ergebnisse von Verdachtsfällen, die aufgrund des Schnelltests unter Quarantäne gesetzt würden, obwohl sie nicht an Ebola erkrankt sind. Angesichts der logistischen Vorteile wäre diese Fehlerrate aus Sicht von Pollock jedoch akzeptabel.

In der Studie kam aber heraus, dass der Altona-Test nicht hundertprozentig zuverlässig ist: Drei von 18 Proben (17 Prozent), die sowohl im Schnelltest als auch im „Altona Test“ negativ waren, erwiesen sich in der Kontrolluntersuchung mit einem anderen PCR-Test als positiv. Damit ist nicht auszuschließen, dass im Fall einer Epidemie vereinzelt Patienten nach Hause geschickt werden, die trotz eines negativen Testergebnisses mit dem Ebolavirus infiziert sind und andere Personen anstecken könnten. Alle übersehenen Patienten hatten jedoch eine niedrige Viruskonzentration im Blut und wären bei einem zweiten Test bei Anhalten der Symptome vermutlich positiv getestet worden. © rme/aerzteblatt.de

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