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Medizin

Klimakterium: Studie sieht Knochenbruchrisiko durch SSRI-Antidepressiva

Montag, 29. Juni 2015

Boston – Nachdem die Risiken der „Hormonersatztherapie“ erkannt wurden, verordnen viele US-Gynäkologen ihren Patientinnen mit klimakterischen Beschwerden Antide­pressiva. Eine mögliche Folge könnte ein Anstieg des Knochenbruchrisikos sein, wie eine Studie in Injury Prevention (2015; doi: 10.1136/injuryprev- 2014-041483) zeigt.

Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) werden nicht nur zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. US-Ärzte verordnen die Medikamente auch zur Behandlung von Schmerzzuständen (neuropathische Schmerzen, diabetische Neuropathie, Migräne, Spannungskopfschmerzen und Fibromyalgie) und auch bei Inkontinenz oder Reizdarmsyndrom. Häufig sind es Erkrankungen mit einem hohen subjektiven Leidensdruck, für die keine anderen Medikamente zur Verfügung stehen. Dies hat dazu geführt, dass SSRI in den USA in der Verordnungsstatistik an dritter Stelle stehen.

In den letzten Jahren sind klimakterische Beschwerden als weitere häufige Indikation hinzugekommen. Dass die SSRI hier wirksam sind, steht außer Frage, seit die FDA im Juni 2013 mit Paroxetin ein SSRI explizit für die Behandlung von klimakterischen Beschwerden zugelassen hat (in Deutschland ist dies nicht der Fall). Viele Ärzte sind der Ansicht, dass auch andere SSRI wirken, was zu einer häufigen Off-Label-Anwendung führt.

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Epidemiologische Studien, die hauptsächlich mit Patienten durchgeführt wurden, die 50 Jahre oder älter waren, haben ergeben, dass der Einsatz von SSRI (aber auch trizyklischen Antidepressiva) mit einem erhöhten Risiko von Knochenbrüchen einhergeht. Die aktuelle Auswertung der Datenbank PharMetrics, die einen Abgleich von Arzneiver­ordnungen mit späteren Diagnosen erlaubt, bestätigt die Assoziation.

Das Team um Matthew Miller von der Northeastern University in Boston konzentrierte sich auf Frauen in der Altersgruppe zwischen 40 und 64 Jahren, die die perimenopausale Phase abdeckt, in der es häufig zu klimakterischen Beschwerden kommt. Die Analyse beschränkt sich zudem auf Frauen ohne psychiatrische Erkrankungen, was eine Verzerrung durch ein erhöhtes Knochenbruchrisiko infolge der psychischen Erkrankung ausschließt.

Der Untersuchungszeitraum sind die Jahre 1998 bis 2010. Miller stellt 137.031 Frauen, die SSRI verordnet bekamen, 236.294 Frauen gleichen Alters gegenüber, denen die Ärzte H2-Antagonisten oder Protonenpumpeninhibitoren (PPI) verschrieben hatten. H2-Antagonisten wurden nicht mit einem erhöhten Knochenbruchrisiko in Verbindung gebracht, bei PPI wird laut Miller ein leichter Anstieg diskutiert.

Die Auswertung ergab, dass Frauen, denen SSRI verordnet wurden, im ersten Jahr zu 76 Prozent häufiger wegen Knochenbrüchen behandelt wurden (Hazard Ratio HR 1,76 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,33-2,32). Nach zwei Jahren war das Risiko um 73 Prozent (HR 1,73; 1,33-2,24) und nach fünf Jahren um 67 Prozent (HR 1,67; 1,30-2,14). Das Risiko steigt laut Miller bereits wenige Monate nach Beginn der Therapie an, andererseits war keine Dosis-Wirkungs-Beziehung erkennbar, die in epidemiologischen Studien als Indiz für eine Kausalität gewertet wird.

Ob das Knochenbruch-Risiko real ist, kann die Studie nicht klären. Miller hält es vernünftig, die Dauer der Behandlung möglichst auf die Phase der klimakterischen Beschwerden zu begrenzen und die Therapie mit SSRI keinesfalls dauerhaft fortzusetzen.

© rme/aerzteblatt.de

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