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Vermischtes

Krankenhaus in Bonn stellt komplett auf iPads um

Montag, 29. Juni 2015

Die Patientendaten sind schnell und ortsunabhängig auf dem Tablet-Computer abrufbar

Bonn - Das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn will künftig nur noch mit digitalen Diagnosen und Befunden arbeiten und sich von papierbasierten Patientenakten verabschieden. In einem Pilotprojekt mit der Deutschen Telekom hat das Krankenhaus seit Oktober 2014 damit begonnen, Ärzte und Pflegekräfte mit 200 Tabletcomputern (iPad mini) auszustatten, über die sie mobil auf das Krankenhausinformationssystem (iMedOne) zugreifen können.

Während jeder Arzt ein eigenes personalisiertes Gerät für die Kitteltasche erhält, werden die Geräte für die Pflegekräfte jeweils weitergereicht, wenn eine Schicht beendet ist. Die Geräte haben aus Datenschutzgründen keine Verbindung ins Internet, sondern werden in einem geschützten WLAN betrieben. Sämtliche Eingaben werden in einem kurzen Zeittakt jeweils auf Station zwischengespeichert und parallel in der Cloud abgelegt. Inzwischen ist die Einführung der mobilen Visite zu 80 Prozent abgeschlossen. In die Infrastruktur hat das Gemeinschaftskrankenhaus circa eine halbe Million Euro investiert.

Patientendaten sind ortsunabhäng und schnell verfügbar
Der Vorteil aus medizinischer Sicht sei die schnelle Verfügbarkeit der Patientendaten zu jeder Zeit und an jedem Ort im Haus, etwa wenn ein Unfallpatient eingeliefert werde und die Röntgenbilder direkt im OP bereitstünden, betonte Jochen Textor, Ärztlicher Direktor des Gemeinschaftskrankenhauses. Dies sei umso wichtiger, als das Haus auf mehrere Standorte verteilt sei. Auch könnten die Ärzte von zu Hause aus auf die Daten zugreifen.

Eingesparte Zeit kommt dem Patienten zugute
Darüber hinaus verspricht sich das Krankenhaus eine Entlastung der Pflege, da  unter anderem die Aktensuche entfällt und eine Doppeldokumentation vermieden wird – Zeit, die dem Patienten zugute kommen könne, so Textor. Viele Informationen erfassen die Ärzte und das Pflegepersonal direkt am Patientenbett. Änderungen der Medikation eines Patienten etwa fließen unmittelbar in die digitale Patientenakte ein und sind dort für alle Beteiligten abrufbar.

Dabei unterstützt das System auch die Patientensicherheit: Textor zufolge beruhen 80 Prozent der Behand­lungsfehler auf einer falschen Medikation. Ein häufiger Grund dafür sei die schlecht lesbare Handschrift des verordnenden Arztes. Zudem könnten die Ärzte über ein integriertes Arzneimittelinformationssystem online einen Sicherheitscheck durchführen, um Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen.

Digitales Bild- und Dokumentationsmanagement
„Unser Ziel ist eine Kostenreduktion bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung“, erklärte Klaus-Werner Szesik, Kaufmännischer Direktor des Gemeinschaftskrankenhauses. Das sei nur über die Optimierung der Prozesse – Stichwort Lean-Hospital-Ansatz – möglich. „Dabei wollen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen.“ Röntgenbilder wurden bereits im Haus abgeschafft und durch ein digitales Bildmanagement ersetzt. Dokumente von externen Partnern werden eingescannt und in die digitale Dokumentation eingepflegt.

„Alles was digitalisierbar ist, wird digitalisiert“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Timotheus Höttges. Das Gesundheitswesen habe hier noch einen großen Nachholbedarf, aber: „Der Gesundheitsbereich fängt jetzt an zu fliegen.“ Die Telekom verzeichnet nach eigenen Angaben derzeit circa 200 Krankenhäuser als Softwarekunden, zudem haben inzwischen 35 Kliniken die mobile Datenerfassung per Tabletcomputer implementiert, die Nachfrage sei so hoch, dass man kaum hinterher komme. Ebenso steigt die Nachfrage nach cloudbasierten IT-Diensten. © KBr/aerzteblatt.de

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