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Medizin

Pädiatrie: Wie Antibiotika Darm- und Körperfunktionen verändern

Dienstag, 30. Juni 2015

dpa

New York – Der häufige Einsatz von Antibiotika in der Kindheit kann nicht nur die Darmflora nachhaltig verändern. Eine Studie in Nature Communications (2005; doi: 10.1038/ncomms8486) zeigt an Mäusen, dass auch das Wachstum beschleunigt und die Leberfunktion verändert wird.

Die Pädiatrie ist ein häufiges Einsatzgebiet von Antibiotika. In den USA erhält ein Kind in den ersten zwei Lebensjahren im Durchschnitt drei und bis zum Alter von zehn Jahren zehn Behandlungszyklen. Eine allzu freizügige Verordnungspraxis wird nicht nur im Hinblick auf die Entstehung von Antibiotikaresistenzen von vielen Experten kritisch gesehen. Auch die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder sind Gegenstand von epidemiologischen Studien.

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Eine befürchtete Folge ist ein Anstieg des Körpergewichts - vor allem im Hinblick auf die hochkalorische Ernährung in den Industrieländern. Eine Analogie zur Viehzucht drängt sich auf. Dort werden seit den 1940er Jahren Antibiotika in kleinen Mengen erfolgreich als Mastbeschleuniger eingesetzt. Kinder erhalten jedoch keine Antibiotika ins Essen gemischt (schon gar nicht in kleinerer Menge über einen längeren Zeitraum). Die Antibiotika-Therapie erfolgt vielmehr gezielt für jeweils 7 bis 10 Tage, dann aber in einer 10 bis 100-fach höheren Menge als in der Viehzucht.

Ein Team um Martin Blaser von der New York University hat die Auswirkungen dieser pulsierten Antibiotika-Therapie (PAT) jetzt erstmals in einem Mäusemodell untersucht. Blaser verwendete zwei Antibiotika, Amoxicillin als typischer Vertreter von Penicillinen und Tylosin als Makrolid. Anders als Amoxicillin wird Tylosin in der Pädiatrie (oder überhaupt beim Menschen) nicht eingesetzt. Die Tiere erhielten in den ersten 40 Lebenstagen drei Kurzzeit-Antibiotika-Behandlungen. Danach wurden sie fettreich ernährt. Bläser wollte damit die Kombination der beiden Faktoren untersuchen.

Tatsächlich hatte die dreimalige PAT eine Auswirkung auf das Wachstum der Tiere. Sie betraf allerdings nicht die Zunahme der Fettmasse. Die PAT förderte vielmehr die Muskelmasse. Darüber hinaus kam es zu einem gesteigerten Knochenwachstum. Die Auswirkungen könnten auf eine veränderte Bildung von Enzymen zurückzuführen sein, die Blaser vor allem in der Leber nachweisen konnte. Eine ausgeprägte Verfettung der Leber war allerdings nicht nachweisbar. Die Befunde bestätigen damit nicht unbedingt den Verdacht, dass häufige Antibiotika-Behandlungen die Entwicklung einer Adipositas fördern.

Wie erwartet kam es nach den Antibiotika-Behandlungen zu einer Veränderung der Darmflora, die häufig weit über die Dauer der Antibiotika-Behandlung hinaus anhielt. Die durch die Antibiotika-Behandlung geförderte Darmflora war später resistent gegen die Veränderungen der Ernährung. Dies ist laut Blaser ungewöhnlich, da sich die Darmflora bei Mäusen normalerweise rasch auf ein verändertes Nahrungsangebot anpasst. Diese Fähigkeit ging nach den drei Antibiotika-Therapien teilweise verloren. Inwiefern sich dies auf die spätere Entwicklung der Tiere auswirkt, bleibt unklar. © rme/aerzteblatt.de

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