NewsAuslandJedes zehnte Kind wächst im Krieg auf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Jedes zehnte Kind wächst im Krieg auf

Dienstag, 30. Juni 2015

Kinder in der syrischen Grenzstadt Kobani dpa

Berlin – Jedes zehnte Kind weltweit wächst in einem Kriegsgebiet auf. Das Kinder­hilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) rechnet in seinem neuen Bericht „Kinder zwischen den Fronten“ vor, dass derzeit rund 230 Millionen Kinder in ihren prägenden Lebensjahren Unsicherheit, Hass und Gewalt erleben. Er gehe davon aus, dass die Zahl der Minderjährigen, die in Konfliktgebieten und in instabilen Staaten leben, in den kommenden drei Jahren noch weiter ansteigen wird, sagte Unicef-Programmdirektor Ted Chaiban am Dienstag bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

Dem Unicef-Bericht zufolge waren Kinder im vergangenen Jahr weltweit in 23 Konflikten schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Besonders schlimm sei die Lage in Syrien, im Irak, im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik gewesen. Auch in den Palästinensergebieten, in Libyen und im Jemen seien Kinder extremer Gewalt ausgesetzt. Aber auch in dauerhaften Konflikten wie in Afghanistan, in Somalia oder im Sudan bleibe die Lage sehr problematisch.

Anzeige

Gruppen wie die Terrormilizen Islamischer Staat (IS) und Boko Haram missachteten die Prinzipien des humanitären Völkerrechts bewusst, um dadurch maximale Aufmerksamkeit zu erregen. Trotzdem übten sie bedauerlicherweise vor allem auf einige junge Menschen eine gewisse Faszination aus, stellt der Unicef-Bericht fest. „Ideologien wie die des IS versprechen Abenteuer, soziale Nähe und das Gefühl, Grenzen überwinden zu können, die Jugendlichen im Alltag auferlegt werden.“ 

Die Organisation rief Spender auf, bei humanitärer Hilfe nicht nur an Nahrung, Kleidung und Obdach zu denken, sondern auch an Schulbildung für die jungen Kriegs­opfer. Deutschland gehört zu den wichtigsten Geldgebern der Unicef-Schulprojekte für syrische Flüchtlingskinder. Der Unterricht sei wichtig, damit diese Kinder und Jugendlichen „einen Blick auf die Welt bekommen, der von Hoffnung geprägt ist und nicht von Hass“, sagte Chaiban.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kritisierte die aus seiner Sicht mangelhafte Spendenbereitschaft für die Flüchtlinge und Vertriebenen aus Syrien. „Die Weltgemeinschaft muss reagieren und ihre Zusagen einhalten“, betonte Müller. Angesichts der Vielzahl von Krisen, die bereits seit Jahren andauerten, habe auch die Spendenbereitschaft von Privatleuten für die Hilfe in diesen Regionen nachgelassen. Müller sagte: „Das bedeutet, dass wir Hunderttausende, Millionen von Kindern einfach ihrem Schicksal überlassen.“ © dpa/dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Oktober 2020
Ulm – Eine Arbeitsgruppe um den Juniorprofessor Andreas Jud von der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie will Maßnahmen des Kinder- und Jugendschutzes
Ulmer Arbeitsgruppe baut europaweites Netzwerk zur Erfassung und Bekämpfung von Kindesmisshandlung auf
15. Oktober 2020
Osnabrück – Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) hat das am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene neue Jugendschutzrecht als unzureichend kritisiert. In einem Gespräch mit der
Kinder- und Jugendmediziner kritisieren neues Jugendschutzrecht
15. Oktober 2020
Tegucigalpa/Freiburg – Ein Mitarbeiter der Caritas und zwei seiner Angehörigen sind in Honduras ermordet worden. Sie seien Ende September auf offener Straße von einem Unbekannten erschossen worden,
Caritas-Mitarbeiter und Angehörige in Honduras erschossen
12. Oktober 2020
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Staatengemeinschaft zu einem entschiedeneren Kampf gegen den Hunger in der Welt aufgefordert. Das erklärte Ziel sei es, den Hunger bis 2030
Merkel wünscht sich mehr Anstrengungen im Kampf gegen Hunger in der Welt
12. Oktober 2020
Berlin – Die Welthungerhilfe befürchtet eine drastische Zunahme von Hunger und Armut weltweit durch die Coronapandemie. Besonders in Afrika südlich der Sahara und in Südasien sei die Situation schon
Welthungerhilfe: Corona ist „Brandbeschleuniger“ für Hunger
12. Oktober 2020
Mexiko-Stadt – In einem Lager für Einwanderer in den USA sind nach Erkenntnissen der mexikanischen Behörden mindestens zwei Frauen ohne ihre Zustimmung operiert worden. Eine der beiden Mexikanerinnen
Mexiko: Frauen in US-Auffangzentrum ohne Zustimmung operiert
2. Oktober 2020
Berlin – Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) der Bundesregierung appelliert an die Politik, die Bekämpfung von sexualisierter Gewalt an Kindern nicht allein
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER