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Medizin

Häufige Depressionen könnten Hippocampus verkleinern

Mittwoch, 1. Juli 2015

dpa

Amsterdam – Major-Depressionen gehen, vor allem wenn sie in jüngerem Alter beginnen oder häufig rezidivieren, mit einer Verkleinerung des Hippocampus einher, einer wichtigen Relaisstation der Gedächtnisbildung im Gehirn. Dies zeigt eine Meta-Analyse in Molecular Psychiatry (2015; doi: 10.1038/mp.2015.69), die die neurotrophe Hypothese der Depression bestätigen.

Dass langjährige Patienten mit Major-Depression häufig kleine Hippocampi haben, ist bereits in den 1990er Jahren aufgefallen. Einige Forscher beschreiben ein Volumen von 20 Prozent unter dem Durchschnittswert. Die Bedeutung blieb unklar. Offen war, ob die Störung vor der Depression vorhanden war und möglicherweise sogar an der Ent­stehung beteiligt ist, ob es sich um eine Folge der Depressionen handelt und welchen Einfluss die Behandlung mit Antidepressiva hat. Die ENIGMA-Major Depressive Disorder Working Group, ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung, hat deshalb noch einmal die Daten aus drei früheren Studien zusammengefasst.

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Lianne Schmaal vom VU Medisch Centrum in Amsterdam und Mitarbeiter vergleichen dabei die klinischen Daten von 1.728 Patienten mit Major-Depression und ihre Befunde in der Magnetresonanztomographie mit den Daten und Befunden von 7.199 gesunden Personen. Die Patienten stammen aus Europa, den USA und Australien und sie hatten an 15 unterschiedlichen Studien teilgenommen.

Die Auswertung bestätigt die Ergebnisse früherer Studien. Am stärksten ausgeprägt war der Volumenrückgang der Hippocampi – der mit einer Vergrößerung der Seitenventrikel einherging – war der Volumenrückgang bei Patienten mit rezidivierender Major-Depression, während bei Patienten nach einer ersten Episode einer Major-Depression noch keine Verkleinerung nachweisbar war. Für Schmaal ist dies ein Hinweis darauf, dass der Volumenrückgang eher eine Folge der Depression als ihre Ursache ist. Deutlich ausgeprägt war der Volumenrückgang bei Patienten, die bereits vor dem 21. Lebensjahr an einer Depression erkrankten. Es ist möglich, dass die Hippocampi in diesem Alter besonders empfindlich auf die Depression reagieren.

Eine mögliche Erklärung liefert die sogenannte „neurotrophe Hypothese“. Sie deutet die Depression als Folge häufiger Stressereignisse. Eine gesteigerte Aktivität der Hypotha­lamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse führt zur vermehrten Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde.

Dies könnte Rückwirkung auf den Hippocampus haben, in dem es mehr Glukokortikoid-Rezeptoren als in anderen Hirnregionen gibt. Nach der Hypothese führt die ständige Stimulierung dieser Rezeptoren allmählich zu einer Atrophie, die dann als Verkleinerung in der Magnetresonanztomographie sichtbar wird. © rme/aerzteblatt.de

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