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Politik

Terminservice­stellen: „Für Ältere ist das eine sinnvolle Unterstützung“

Montag, 6. Juli 2015

Leipzig – Zu der Gemeinschaftspraxis, in der Ute Bayer arbeitet, hat die Termin­servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen bereits Patienten vermittelt. Die Radiologin findet: „Sie kann die Patienten unterstützen, die wirklich zeitnah einen Termin benötigen und es aber selbst nicht schaffen, ihn zu erhalten.“

5 Fragen an Ute Bayer, Radiologin in Leipzig

DÄ: Welche Erfahrungen haben Sie bisher als Ärztin mit der Terminservicevermittlungsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen gemacht?
Bayer: Wir haben seit der Gründung im November 2014 drei oder vier Terminanfragen von dort vermittelt bekommen. Eine Mitarbeiterin der Terminservicestelle hat bei unseren Mitarbeitern angerufen und wegen eines freien Termins nachgefragt. Wir haben dann mit dem Patienten telefonisch den genauen Termin vereinbart. Es ging um Überweisungen zu Ultraschall- und MRT-Untersuchungen. In allen Fällen bekam der Patient einen Termin innerhalb von vier Wochen. Anders als manche anderen Fachgruppen erhalten Radiologen dafür keinen Honorarzuschlag.

DÄ: Wie lange muss man bei Ihnen in der Praxis denn normalerweise auf einen Termin warten?
Bayer: An unserem radiologischen Schwerpunkt können die Patienten zu Röntgenuntersuchungen ohne Termin kommen. Für MRT-Untersuchungen betragen die Wartezeiten vier bis sechs Wochen. Das ist auch abhängig davon, welche Art von MRT-Untersuchung gemacht werden soll. Auf Computertomografien wartet man zwei Wochen. Normale Mammographie-Termine bekommt man in zwei bis drei Monaten, aber das sind meist langfristig geplante Kontrollen. Frauen mit auffälligen Befunden untersuchen wir innerhalb von zwei Arbeitstagen.

DÄ: Sie haben für Ihre überörtliche Gemeinschaftspraxis eine sehr komfortable Terminabfrage über Ihre Homepage eingerichtet: Sowohl Patienten als auch Kollegen können um einen Termin bitten und dazu genauere Angaben machen. Weshalb wendet man sich dann an die Servicestelle  und nicht an Sie direkt?
Bayer: Wenn ein Kollege einen Patienten vor sich sitzen hat, für den umgehend oder zumindest in den nächsten Tagen eine Diagnostik erfolgen muss, dann greift er auch zum Telefon. Oder er schickt den Patienten und schreibt nicht nur die entsprechende Verdachtsdiagnose auf, sondern notiert auch seit kurzem groß ein A oder B für die Eilüberweisungen. Das sensibilisiert unsere Mitarbeiterinnen dann, schnell einen Termin zu vergeben. Aber im Grunde ist das seit langen Jahren eingespielt.

Die jüngeren Patienten greifen häufiger auf unser Onlineangebot zur Termin­verein­barung zurück oder telefonieren einfach herum, um herauszufinden, in welcher Praxis es am schnellsten einen Termin gibt. Ihnen ist dann auch egal, ob sie dafür zwei Kilometer mehr fahren müssen. Bei der Terminservicestelle rufen meist ältere Patienten an, die nicht so gut damit umgehen können, dass sie es selbst bei verschiedenen Praxen versuchen müssen. Für sie ist das eine sinnvolle Unterstützung.

Bei uns Radiologen in Leipzig sind die Wartezeiten ja noch übersichtlich. Aber bei Augenärzten, Pulmologen oder anderen Kollegen in ländlicheren Regionen betragen die Wartezeiten wirklich Monate. Da bekommt man als Patient auch keinen Termin, wenn man fünf Praxen anruft. Dann kann es hilfreich sein, sich an die Vermittlungsstelle zu wenden. Sie kann die Patienten unterstützen, die wirklich zeitnah einen Termin benötigen und es aber selbst nicht schaffen, ihn zu erhalten.

DÄ: Können Sie die Kritik an den Servicestellen nachvollziehen?
Bayer: Ich finde, es ist ein gutes Angebot für Patienten. Weder wir Ärzte noch die Terminservicestelle können ihnen aber alle Wünsche erfüllen, das muss man vielleicht manchmal betonen. Denn die Forderungshaltung der Patienten wird schon immer größer. Der Patient wird nicht an seinen Wunschdoktor vermittelt, aber er wird vermittelt. Das ist aus meiner Sicht ein guter Kompromiss. Denn bestimmten Patienten in Notsituationen, die selbst nicht so umsichtig sind, sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aus Altersgründen, kann man so sicher helfen.

DÄ: Manche Ihrer Kollegen finden: Terminservicestellen könnte man sich sparen, wenn Ärzte den Kollegen, zu denen sie überweisen, genauere Angaben übermitteln würden, wie dringend die Behandlung ihres Patienten ist. Und wenn weniger Patienten die Praxen verstopfen würden, die eigentlich gar nicht dort behandelt werden müssten.
Bayer: Die Indikationsstellung durch die Überweiser ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Wenn wir eine sehr ungenaue Überweisung bekommen, erschwert es uns das aber nicht nur zu entscheiden, wie genau wir die Untersuchung anlegen müssen, sondern auch, wie dringlich ein Termin für den Patienten ist. Das Problem ist bei uns natürlich besonders groß, weil wir ja nur auf Überweisung arbeiten. Wenn der Überweisungsgrund für unsere Mitarbeiterinnen schwierig nachzuvollziehen ist, dann besprechen sie sich mit einem Radiologen. Wir planen im Übrigen unsere Termine auch danach, wie groß die zu untersuchende Körperregion ist, ob der Patient ein Kontrastmittel bekommen muss oder nicht, welche Organe angeschaut werden sollen. Auch deshalb brauchen wir mit der Überweisung genauere Informationen.

Deshalb: Wenn ein überweisender Kollege eine sehr konkrete Frage hat  – dann soll er sie aufschreiben. Dann können wir auch im Detail etwas zu diesem Band oder zu jener Knorpelstruktur sagen. Wenn aber nur „Schultergelenk“ auf der Überweisung steht, dann können wir das nicht. Das ist ein Aspekt der Kommunikation zwischen Ärzten, auf den man immer wieder hinweisen muss. Natürlich rufen wir einen Kollegen an, wenn wir nicht erkennen können, was genau wir mit einer Überweisung machen sollen. Aber das kostet Zeit und Kraft. © Rie/aerzteblatt.de

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