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„Arztgruppengleiche MVZ sind auch in der Nephrologie attraktiv“

Dienstag, 7. Juli 2015

Melsungen – Ulrich Blondin findet: Fachübergreifende Einrichtungen sind nur sinnvoll, wenn sie am Ende tatsächlich zu kooperativer Zusammenarbeit führen. Der Geschäfts­führer eines großen Betreibers Medizinischer Versorgungszentren hält deshalb arztgruppengleiche MVZ für eine ehrliche Option: „Ich glaube, dass diese neue Möglichkeit zu einer Gründungswelle von MVZ führen wird.“

5 Fragen an Ulrich Blondin, Geschäftsführer via medis Nierenzentren GmbH

DÄ: Warum begrüßen Sie es, dass man nun auch facharztgruppengleiche Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen kann?
Blondin: Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Via medis ist ja in einem ganz speziellen Segment tätig, der Dialyseeinrichtungen. Wir durften bisher schon MVZ gründen, aber nur, wenn wir neben Nephrologen noch einen weiteren Arzt einer anderen Fachrichtung fanden, um fachübergreifend tätig zu sein. Das ist ja aber nur sinnvoll, wenn solch eine fachübergreifende Konstruktion auch wirklich zu kooperativer Zusammenarbeit der einzelnen Akteure führt.

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DÄ: Und das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall?
Blondin: Nein. Natürlich haben wir uns bemüht, neben Nephrologen Urologen oder Kardiologen zu integrieren, was für die Patientenversorgung ja sinnvoll ist. Aber wenn Nephrologen gern ein MVZ gründen wollten, sich aber kein passender Facharztkollege fand, dann mussten sie einen anderen suchen, beispielsweise einen Gynäkologen oder auch einen Allgemeinmediziner. So wurden aber Disziplinen hineingenommen in das MVZ, die im Hinblick auf die zu versorgenden Patienten eigentlich gar nicht sinnvoll kooperieren können. Das ändert sich, weil man nun auch arztgruppengleiche MVZ gründen kann. Dennoch wird vielen daran gelegen sein, bei der Erweiterung eines MVZ Kollegen aus Fachgebieten zu integrieren, mit denen man sinnvollerweise eine umfassende Betreuung bestimmter Krankheitsbilder anbieten kann.

DÄ: Seit Inkrafttreten des Vertragsarztrecht-Änderungsgesetzes sind doch vielfältige Kooperationsformen möglich. Welche spezifischen Vorteile ergeben sich durch arztgruppengleiche MVZ?
Blondin: Viele Ärztinnen und Ärzte gleicher Fachrichtung arbeiten heute in Gemeinschaftspraxen oder Praxisgemeinschaften. Aber dafür muss immer eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet werden. MVZ bieten auch die Möglichkeit, andere Rechtsformen zu wählen, zum Beispiel die Gesellschaft mit begrenzter Haftung, und sind somit für junge Ärztinnen und Ärzte interessant, die gern angestellt arbeiten möchten. Arztgruppengleiche Hausarzt-MVZ werden zudem Allgemeinmedizinern die Möglichkeit bieten, sich zu spezialisieren: Einer übernimmt vor allem Präventionsleistungen, ein anderer vor allem die palliativmedizinische Versorgung. Zusätzlich lassen sich gut angestellte Ärztinnen und Ärzte mit speziellen Ausrichtungen einbeziehen.

DÄ: Und in Ihrem Bereich?
Blondin: Die Nephrologie ist ein sehr investitionsträchtiger Bereich. Auch in diesem Fachgebiet scheuen sich viele junge Ärztinnen und Ärzte, in die Selbstständigkeit zu gehen und hohe Summen zu investieren, und wollen lieber angestellt tätig sein. Deshalb sind arztgruppengleiche MVZ auch hier attraktiv.

DÄ: Was  bedeutet die Neuregelung für Ihre Ausrichtung?
Blondin: Wir werden erst einmal nichts ändern. Es wird dabei bleiben, dass wir beim Ausbau eines MVZ schauen, welche Fachgebiete wir integrieren können. Das Angebot soll langfristig die kooperative, umfassende Behandlung umfassen. Ich glaube aber, dass diese neue Möglichkeit zu einer Gründungswelle von MVZ führen wird, für Haus- wie für Fachärzte. Und dadurch werden sich die Versorgungsstrukturen weiterentwickeln. Ich denke, dass die Einzelpraxis eher der Vergangenheit angehört und kooperative Formen der Versorgung immer mehr zunehmen. © Rie/aerzteblatt.de

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