Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Montgomery: Suizidbeihilfe ist nicht Aufgabe der Ärzte

Mittwoch, 1. Juli 2015

Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, hat sich erneut dagegen gewandt, Ärzte zu Suizidbeihelfern zu machen. Ärzte „sollen Hilfe beim Sterben leisten, aber nicht Hilfe zum Sterben“, betonte Montgomery am Mittwoch in Berlin. Am Donnerstag will sich der Bundestag mit einer rechtlichen Regelung der Sterbehilfe befassen. Dazu liegen vier Gesetzentwürfe vor. Sie reichen von einem völligen Verbot bis zur weitgehenden Freigabe. Ein Entwurf sieht eine ausdrückliche Freigabe für Ärzte bei Patienten mit einer zum Tode führenden Krankheit vor.

Montgomery hob hingegen den Entwurf der Abgeordneten Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD) hervor. Er sieht ein Verbot jeder Form organisierter Sterbehilfe vor und verzichtet zugleich auf weitere rechtliche Regelungen. Nach den Worten von Mont­gomery sind diese aufgrund der Berufsordnungen aller 17 Ärztekammern auch nicht nötig. Die Berufsordnungen regelten einheitlich, „dass es die Aufgabe von Ärzten ist, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern und Sterbenden Beistand zu leisten“.

Auch die katholische und die evangelische Kirche sprachen sich heute für ein Verbot der organisierten Formen der Beihilfe zur Selbsttötung aus. „Wir müssen verhindern, dass die Suizidbeihilfe in unserem Land zur alltäglichen Selbstverständlichkeit wird“, heißt es in dem gemeinsamen Text. 

Montgomery begrüßte, dass es unter den Initiativen der verschiedenen Parlamen­tariergruppen einen großen Konsens gebe, Sterbehilfevereinen das Handwerk zu legen sowie die Palliativmedizin und Schmerztherapie auszubauen.

Auch für die Kirchen ist der Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung unabdingbar, um „die Rahmenbedingungen für eine angemessene menschliche und medizinische Fürsorge am Lebensende zu schaffen.“ Denn gerade Menschen, die auf Grund ihres Alters, von Gebrechlichkeit oder schwerer Krankheit ohnehin in einer schwierigen Lebenssituation seien, litten oft unter der Angst, anderen zur Last zu fallen und könnten hierdurch unter einen subtilen sozialen Druck geraten. „Darin sehen wir eine erhebliche Gefahr für die Würde des menschlichen Lebens", hieß es vonseiten der Kirchen.

Der Verein „Sterbehilfe Deutschland” erklärte unterdessen, bei einem Verbot der organisierten Suzidbeihilfe seine Angebote einstellen zu wollen. Der Vereinsvorsitzende Roger Kusch kündigte am Mittwoch in Berlin zugleich an, gegen eine solche Gesetzgebung Verfassungsbeschwerde einzulegen. Sein Verein werde sich aber an das geltende Recht halten. © kna/afp/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

21.09.17
Richter billigt Stopp lebensverlängernder Maßnahmen bei Wachkomapatienten
London – Ein Gericht in Großbritannien hat entschieden, dass lebensverlängernde Maßnahmen bei Wachkoma-Patienten in Zukunft ohne gesonderte richterliche Erlaubnis eingestellt werden dürfen. Das......
31.08.17
Prozessbeginn um Sterbehilfe in Hamburg
Hamburg – Vor dem Landgericht Hamburg hat ein Prozess gegen einen Arzt des Vereins Sterbehilfe Deutschland begonnen. Dem 75 Jahre alten Mediziner wird Totschlag in zwei Fällen vorgeworfen. Das Gericht......
29.08.17
Landgericht Hamburg verhandelt über Beihilfe zum Suizid
Hamburg – Der Bundestag hat auch wegen des Vereins „Sterbehilfe Deutschland“ die Suizidbeihilfe neu geregelt. Ab Donnerstag befasst sich das Landgericht Hamburg mit den Praktiken des Vereins.......
04.08.17
Bilanz nach 15 Jahren: Sterbehilfe in den Niederlanden fest etabliert
Rotterdam - Die Sterbehilfe, die in den Niederlanden seit 2002 gesetzlich geregelt ist, aber auf eine längere „Tradition“ zurückblickt, hat sich in den letzen 15 Jahren fest etabliert, wie eine......
31.07.17
Britisches Baby im Hospiz gestorben
London – Nach monatelangem juristischen Ringen um die Behandlung eines an einer sehr seltenen Erkrankung leidenden und todkranken britischen Babys ist der Junge am Freitag in einem Hospiz gestorben.......
28.07.17
Erste Verfassungs­beschwerden gegen Sterbehilfeverbot abgewiesen
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht hat zwei von 13 Klagen gegen das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe aus formalen Gründen abgewiesen. Sie erfüllten nicht die Annahmevoraussetzungen, heißt es......
27.07.17
Todkrankes britisches Baby soll im Hospiz sterben
London – In der Frage, wo ein todkrankes britisches Baby seine letzten Tage verbringen darf, haben sich Eltern und Ärzte geeinigt. Der elf Monate alte Junge soll in einem Kinderhospiz sterben, wie......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige