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Medizin

Arbeitsmedizin: Schon geringe Strahlendosis erhöht das Leukämierisiko

Mittwoch, 1. Juli 2015

dpa

Paris – Eine berufliche Exposition mit ionisierenden Strahlen kann bereits bei einer niedrigen Dosis langfristig das Leukämie-Risiko erhöhen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie unter Beschäftigten der Nuklearindustrie in Lancet Haematology (2015; doi: 10.1016/S2352-3026(15)00094-0). Eine Schwellendosis, unter der kein Risiko bestand, war nicht erkennbar.

Dass ionisierende Strahlen Krebs auslösen können, ist seit langem bekannt, und Leukämien sind aufgrund der Strahlenempfindlichkeit des Knochenmarks vermutlich eine häufige Folge. Schon wenige Jahre nach den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki wurde ein Anstieg der (überwiegend myeloischen) Leukämie bei Überlebenden beobachtet.

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Sie war die Folge einer kurzzeitigen Exposition mit einer sehr hohen Dosis. Die Ange­stellten der Nuklearindustrie (aber auch im medizinischen Sektor) sind dagegen über längere Zeit einer geringen Dosis ausgesetzt. Dass auch hier das Leukämie-Risiko erhöht ist, hatte vor 20 Jahren bereits eine Studie der International Agency for Research on Cancer (IARC) gezeigt (Lancet 1994; 344: 1039-1043).

Ihre Ergebnisse beruhten damals auf den Daten von 96.000 Nukleararbeitern aus den USA, Kanada und Großbritannien, deren Exposition am Arbeitsplatz mit Dosimetern gemessen wurde. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse der International Nuclear WORKers Study (INWORKS) basiert auf den Daten von 308.297 Nukleararbeitern aus den USA, Großbritannien und Frankreich, deren Exposition bis zu 60 Jahre zurückliegt. Bei einer Nachbeobachtungszeit von 8,22 Millionen Personenjahren sind 1.776 Arbeiter an Leukämien, Lymphomen oder einem Plasmozytom gestorben.

Klervi Leuraud vom französischen Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN) und Mitarbeiter des IARC und anderer Institutionen ermitteln für die Leukämien (unter Ausschluss der CLL) eine Assoziation, die bei einem 90-Prozent-Konfidenzintervall signifikant ausfiel. Danach steigt das zusätzliche relative Risiko pro Anstieg der Strahlendosis um einen Gray um den Faktor 2,96 (90-Prozent-Konfidenzintervall 1,17-5,21). Es war vor allem auf einen Anstieg der chronisch-myeloischen Leukämie zurückzuführen. Hier stiegen die Todesfälle pro Gray Strahlendosis um den Faktor 10,45 (4,48-19,65) an.

Für die chronische lymphatische Leukämie (CLL) war keine Assoziation erkennbar. Für die anderen Lymphome und Leukämieformen und das Plasmozytom waren die Assoziationen nicht signifikant. Es bestand eine Dosis-Wirkungs-Beziehung, die die Kausalität der Assoziation stützt. Ein früher angenommener Schwellenwert, unter dem die Strahlen keinen Schaden anrichten sollte, war in der Studie nicht erkennbar. Nach Einschätzung der IARC sind die Daten nicht nur für Angestellte der Nuklearindustrie von Bedeutung, sondern auch für den medizinischen Sektor, in dem der Einsatz von ionisierenden Strahlen, etwa bei der Computertomographie, in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.

© rme/aerzteblatt.de

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