NewsMedizinReihenfolge beim Essen beeinflusst den Blutzuckerspiegel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Reihenfolge beim Essen beeinflusst den Blutzuckerspiegel

Mittwoch, 1. Juli 2015

New York – Diabetiker, die bei der Mahlzeit protein- und fetthaltige Lebensmittel vor kohlenhydratreichen essen, könnten ihre postprandialen Blutzuckerspiegel senken. Forscher um Louis Aronne am Weill Cornell Medical College in New York berichten in Diabetes Care, wie die Reihenfolge der Nahrungsmittel beim Essen den Blutzuckerspiegel beeinflusst (doi:10.2337/dc15-0429).

Eine Diabeteserkrankung manifestiert sich bei Typ-2-Diabetikern häufig als erstes in Form einer gestörten Glukosetoleranz. Postprandial liegen die Blutzuckerspiegel nach zwei Stunden oft über 140 mg/dl. Nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen scheint der Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels vor allem von der absoluten Menge und der Komplexität der Kohlenhydrate abhängig zu sein. Einzelne Studien ergaben jedoch Hinweise, dass gesunde Personen, die vor dem Essen einen Shake aus Molkeprotein zu sich nehmen, niedrigere Blutzuckerspiegel nach dem Essen zeigen. Die Forscher untersuchten in ihrer Studie, ob sich dieser Effekt auch bei Diabetikern zeigt.

Sie rekrutierten für ihre Analyse Typ-2-Diabetiker mit einem mittleren BMI von 32,9 kg/m². Alle Teilnehmer wurden mit Metformin behandelt. Nach einer zwölfstündigen Fastenphase aßen die Teilnehmer eine Mahlzeit mit 628 kcal (55 g Protein, 68 g Kohlenhydrate, und 16 g Fett).

Anzeige

Im ersten Versuch verzehrten die Teilnehmer zuerst den kohlenhydratreichen und nach 15 Minuten den fett- und proteinreichen Teil der Mahlzeit. Die Forscher bestimmten nach 30, 60 und 120 Minuten den Blutzucker der Teilnehmer. Sie wiederholten nach einer einwöchigen Pause den Versuch, jedoch aßen die Probanden dann die Mahlzeit in umgekehrter Reihenfolge und begannen mit Proteinen und Fetten.

Die Teilnehmer zeigten, wenn sie zuerst die Proteine und Fette zu sich nahmen, im Vergleich zu dem ersten Versuch nach 30 Minuten eine Reduktion der Blutglukose um 28,6 Prozent (p= 0,001), nach 60 Minuten um 36,7 Prozent (0,001) und nach 120 Minuten einen um 16,8 Prozent (p=0,03) reduzierten Glukosespiegel. Bei der Insulinausschüttung konnten die Wissenschaftler den gleichen Trend beobachten: Wenn die Teilnehmer zuerst Proteine und Fette aßen, waren die Insulinspiegel wesentlich niedriger.

Die Forscher vermuten, dass die Reihenfolge beim Essen einen günstigen Einfluss auf die Blutglukose nimmt und möglicherweise sogar die Insulinsensitivität verbessern könnte. Der Effekt ist laut den Wissenschaftler mit Medikamenten vergleichbar, welche den postprandialen Blutzucker senken. Ob sich das richtige Timing beim Essen jedoch tatsächlich günstig auf den Diabetes auswirkt, bleibe durch die Studie wegen zu geringer Teilnehmerzahlen unklar. Dies sollten laut der Arbeitsgruppe größere Langzeitstudien klären. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. Oktober 2020
Dallas – Ein neues Basis-Insulin, das aufgrund einer Halbwertzeit von 196 Stunden nur einmal in der Woche injiziert werden muss, hat in einer Phase-2-Studie den HbA1c-Wert von Patienten mit
Typ-2-Diabetes: Basis-Insulin mit einmal wöchentlicher Injektion überzeugt in Phase-2-Studie
19. Oktober 2020
Berlin – Eine diabetische Retinopathie entwickelt sich lange Zeit unbemerkt. Zu Sehstörungen kommt es erst, wenn die Netzhaut des Auges bereits behandlungsbedürftige Schäden aufweist. Regelmäßige
Zu wenig leitliniengerechte Augenarztkontrollen bei Diabetes
9. Oktober 2020
Boston – Der SGLT-2-Inhibitor Ertugliflozin hat sich in einer sogenannten Endpunktstudie als sicher erwiesen. Der erhoffte Rückgang der kardiovaskulären und renalen Ereignisse blieb nach den jetzt im
Typ-2-Diabetes: Ertugliflozin hat (nur) neutrale Wirkung auf Herz-Kreislauf-Ereignisse
8. Oktober 2020
Berlin – Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Bei Diabetes immer an Herzinsuffizienz denken – und umgekehrt
5. Oktober 2020
Neuherberg – Bei Männern kann eine genetische Variante des Gens DUSP8 die Reaktion des Gehirns auf das Hormon Insulin beeinträchtigen und so das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen. Das berichten
Genvariante beeinflusst Reaktion des Gehirns auf Insulin – bei Männern
2. Oktober 2020
Winston-Salem/North Carolina – Menschen mit einem Typ-2-Diabetes sind möglicherweise besonders gefährdet, aufgrund eines Alkoholkonsums an einer arteriellen Hypertonie zu erkranken. In einer
Studie: Alkoholkonsum erhöht Blutdruck bei Diabetikern
29. September 2020
Berlin – Eine nationale Diabetesstrategie soll die Patientenversorgung verbessern. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und das Deutsche Zentrum
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER