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Medizin

Misshandlungen in der Geburtshilfe in vielen Ländern verbreitet

Donnerstag, 2. Juli 2015

Baltimore – Eine Geburt ist für viele Schwangere in ärmeren Ländern nicht allein wegen der Wehen schmerzhaft. An vielen Kliniken müssen sie laut einer Studie in PLOS Medicine (2015; 12: e1001847) auch verbale und körperliche Angriffe über sich ergehen lassen bis hin zu sexueller Gewalt.

In einer ländlichen Region Tansanias berichtet jede fünfte Frau, dass sie bei der Entbindung schlecht behandelt wurde. Die Klagen reichten von einer „würdelosen Behandlung“ über „anschreien und beschimpfen“ und „Vernachlässigung“ bis hin zu „körperlichem Missbrauch“. In einer Klinik im Südosten von Nigeria, einem Lehrkran­kenhaus, wurde jede dritte Frau Opfer von Gewalt durch das Klinikpersonal.

Einige Frauen wurden während der Wehen gefesselt, andere geschlagen, geohrfeigt und gekniffen. Hier berichteten zwei Prozent der Frauen, dass sie vom Personal sexuell missbraucht worden seien. Zeugen gibt es selten, denn dass Angehörige, etwa der werdende Vater, die Geburt miterlebt, ist in vielen Kliniken in Afrika undenkbar. Auch auf anderen Kontinenten ist dies in Entwicklungsländern ungewöhnlich, hat Meghan Bohren von der Bloomberg School of Medicine bei ihren Recherchen herausgefunden.

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Die Forscherin hat insgesamt 65 veröffentlichte Studien aus 34 Ländern zusammen­getragen, die sich mit der Vernachlässigung und dem Missbrauch von Frauen in der Geburtshilfe befassen. Sie erstellt dabei sieben Kategorien von Misshandlung und Missbrauch. Dies sind: physische Angriffe (wie Ohrfeigen), sexuelle Übergriffe, verbale Attacken, eine Stigmatisierung und Diskriminierung, ein Mangel an professioneller Qualität in der Betreuung, ein fehlendes Vertrauensverhältnis zwischen Personal und Patientin sowie eine fehlende Privatsphäre während der Geburt (beispielsweise weil die Entbindung im Krankenzimmer vor den Augen anderer Patientinnen stattfindet).

Bohren versteht ihre „Typologie der Misshandlung“ als einen ersten Ansatz, um die Forschung in einem bislang vernachlässigten Bereich zu stimulieren. Diese könnte sich beispielsweise mit der Frage beschäftigen, welchen Anteil die Zustände in den Geburtskliniken an der hohe Müttersterblichkeit in vielen Ländern hat. Die Typologie könnte auch genutzt werden um Hilfsmittel, politische Reformen und gezielte Programme zu entwickeln, um die Misshandlung von Frauen zu verhindern und diesen zusammen mit ihren Familien zu einer positiven Erfahrung der Geburt zu verhelfen.

© rme/aerzteblatt.de

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