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Medizin

Dünne Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs sterben früher

Donnerstag, 2. Juli 2015

Durham – Übergewicht und Fettleibigkeit sind Risikofaktoren für das Kolorektalkarzinom. Doch im Fall einer Erkrankung scheinen sie die Widerstandskräfte der Patienten zu stärken, wie eine auf dem World Congress on Gastrointestinal Cancer 2015 in Barcelona vorgestellte Studie zeigt.

Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom erhalten heute eine Chemotherapie, die häufig mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab kombiniert wird. Die Therapie verlängert das Leben der Patienten um viele Monate, sie geht jedoch mit Nebenwir­kungen einher, die häufig an den Kräften der Patienten zehren.

Yousuf Zafar vom Duke University Medical Center hat in einer prospektiven Beobach­tungsstudie untersucht, ob Übergewicht und Fettleibigkeit den Patienten in dieser letzten Lebensphase helfen und die Überlebenszeit verlängern. Dazu wertete der Forscher die Daten aus mehreren Therapiestudien aus, in denen der Body Mass Index (BMI) der Patienten dokumentiert worden war. Zafar bildete vier Kategorien (mit einem BMI von unter 25, 25-29, 30-35 und über 35 kg/m2) und setzte diese mit dem progressionsfreien Überleben und dem Gesamtüberleben der Patienten in Beziehung.

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Auf das progressionsfreie Überleben hatte der BMI keinen Einfluss. Die Erkrankung schritt bei schlanken und übergewichtigen Patienten gleich schnell fort. Bezüglich des Gesamtüberlebens fand Zafar jedoch eine signifikante Assoziation eines erhöhten BMI mit einer verlängerten Überlebenszeit. Normalgewichtige Patienten (BMI 20 bis 24,9) starben im Durchschnitt 21,1 Monate nach dem Beginn der Therapie. Übergewichtige Patienten (BMI 25 bis 29) überlebten durchschnittlich 23,5 Monate. Adipöse Patienten (BMI 30 bis 35) hatten eine durchschnittliche Überlebenszeit von 24 Monaten. Erst bei einer höhergradigen Adipositas (BMI über 35) sank die Überlebenszeit wieder auf 23,7 Monate.

Wie immer bei Beobachtungsstudien ist nicht sicher, dass der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt. Zafar hält eine „protektive“ Wirkung des Übergewichts jedoch für plausibel. Schlanke Patienten könnten – vielleicht allein aufgrund ihrer geringeren Körpermasse – anfälliger für die Nebenwirkungen der Chemotherapie sein, vermutet der Mediziner. Zukünftigen Studien sollten untersuchen, wie die Therapie für diese Patienten verbessert werden könne.

© rme/aerzteblatt.de

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