NewsPolitik„Universitäten sind gezwungen, ihr Heil in Drittmitteln zu suchen“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

„Universitäten sind gezwungen, ihr Heil in Drittmitteln zu suchen“

Donnerstag, 2. Juli 2015

Peter Strohschneider © DFG / David Ausserhofer

Berlin – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht die Universitäten in Deutschland unter erheblichen finanziellen Druck. 2014 konnte eine sehr hohe Nachfrage an Fördermitteln festgestellt werden, erklärte DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek bei der Vorstellung des Jahresberichts 2014. „Die Universitäten sind weiterhin strukturell erheblich unterfinanziert und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind weiter fast schon gezwungen, ihr Heil in den Drittmitteln zu suchen“, so Dzwonnek. „Für eine solche grundständige Finanzierung von Forschung ist die DFG aber gar nicht gedacht.“ 

Daher sieht die DFG die deutliche Aufstockung der Grundfinanzierung der Hochschulen sowie die weitere Förderung der Spitzenforschung als zentrale Herausforderung für das Wissenschaftssystem in Deutschland. „Wissenschaft und Forschung haben in den letzten Jahren beträchtliche finanzielle Zuwächse erfahren. Umso mehr kommt es nun darauf dann, dass Politik und Wissenschaft gemeinsam die bemerkenswerten Erfolgs­geschichten fortschreiben“, sagte DFG-Präsident Peter Strohschneider in Berlin. Strohschneider wurde am 1. Juli 2015 von der Mitgliederversammlung der DFG in Bochum für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt. Bis 2019 wird er die Geschicke der Organisation leiten.

Anzeige

Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative steht auf der Agenda weit vorn
Vor allem die „zügige und wissenschaftsgeleitete Ausgestaltung“ der neuen Bund-Län­der-Initiative zur Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative sieht Strohschneider als eine der wichtigsten Fragen der kommenden Monate an. Zwar sei der Rahmen von Bund und Ländern sowie den Regierungsfraktionen kürzlich abgesteckt worden. „Entscheidende Fragen sind aber weiter offen, etwa die, wer sich überhaupt an einem neuen Wettbewerb beteiligen kann und welchen Kriterien dieser Wettbewerb folgt“, so Strohschneider. Dadurch entstünden Unsicherheiten an den Universitäten.

Die DFG ist die größte Forschungsorganisation zur Vergabe von Drittmitteln in Deutschland. Nach eigenen Angaben wurden von der DFG im Jahr 2014 fast 30.000 Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 2,73 Milliarden Euro gefördert. Darunter sind rund 6.900 Projekte, die 2014 neu bewilligt und mit 1,54 Milliarden Euro gefördert wurden. Schwerpunkt der Arbeit der DFG ist weiterhin die Einzelförderung von Forschern – auch 2014 wurden rund 14.000 Projekte gefördert, die insgesamt 835 Millionen Euro erhalten haben.

Das größte Finanzvolumen liegt beim Fach "Lebenswissenschaften"
Dabei nehmen die Vorhaben in der medizinischen Forschung das größte Finanzvolumen in Anspruch. Mit einer Einzelförderung von Projekten in einem Wert von 475,5 Millionen Euro im Jahr 2014 liegt das Fach an der Spitze. Zwischen 2008 und 2014 gab es im Bereich der „Lebenswissenschaften“ – unter diesen Begriff fasst die DFG die medizinische Forschung – einen Anstieg um 25 Prozentpunkte der Projekt-Neuanträge. 2014 flossen in die Lebenswissenschaften über 763,1 Millionen Euro, das sind 38,5 Prozent der Bewilligungen des gesamten Jahres. Zu den Lebenswissenschaften zählt die DFG auch die Tiermedizin, Biologie, die Agrar- und Forstwissenschaften sowie der Gartenbau. Gefolgt werden die Lebenswissenschaften von den Naturwissenschaften, die mit  464 Millionen Euro gefördert wurden.

Ebenso stellte die DFG in Berlin eine App für mobile Endgeräte vor,  die einen Einblick in die Welt der Mikroben geben soll. Die App mit dem Titel „MenschMikrobe“ ist eine interaktive Erweiterung der Wanderausstellung, die die DFG gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI) zwischen 2010 und 2014 an 15 Orten im deutschsprachigen Raum präsentiert hat. Dabei ist ein digitales Kompendium zum Thema Infektionsforschung entstanden, das sich unter anderem mit dem Thema Krankenhauskeime beschäftig. Einige Anwendungen in der App bieten auch einen Einblick in die DFG-geförderten Projekte  im Bereich der Infektionsforschung. © bee/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Oktober 2019
Bonn – Verbesserungen bei der Überführung grundlagenwissenschaftlicher Forschungsergebnisse in neue Verfahren zur Anwendung am Menschen fordert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). „In der
Wie sich translationale Forschung stärken lässt
10. Oktober 2019
München – Bayern will für eine große Forschungs- und Hightech-Offensive in den kommenden Jahren zwei Milliarden Euro ausgeben. Das ist doppelt so viel wie noch vor wenigen Wochen geplant und
Milliardenausgaben für Forschungsoffensive in Bayern angekündigt
26. September 2019
Berlin – Die Grundlagenforschung in Deutschland braucht mehr Wertschätzung, eine wirksame und längerfristige Finanzierung und die strukturelle Absicherung der dort Beschäftigten. Das fordern die im
Grundlagenforschung braucht besondere Förderung
23. September 2019
Rotterdam/Teheran – Die von den USA gegen den Iran verhängten politischen Sanktionen schränken den weltweiten wissenschaftlichen Fortschritt ein. Das behauptet ein Team von Wissenschaftlern aus den
US-Sanktionen gegen den Iran treffen auch die Forschung
18. September 2019
Düsseldorf – Kohlenstoff-Nanopartikel werden nach der Aufnahme in die Zelle in sogenannten Lysosomen gespeichert und verändern die Genexpression nicht nennenswert – zumindest nicht in den den ersten
Was mit Nanopartikeln in der Zelle geschieht
13. September 2019
Jena – Zur Erforschung von Infektionskrankheiten soll in Jena ein neues Leibniz-Zentrum entstehen. Der Bund unterstützt das Projekt in den kommenden 15 Jahren mit 150 Millionen Euro, wie ein Sprecher
Millionenförderung für neues Leibniz-Zentrum in Jena
11. September 2019
Berlin – IBM und die Fraunhofer Gesellschaft wollen die Forschung zu Quantencomputern mit einer neuen Partnerschaft vorantreiben. Dafür bringt der amerikanische Technologie-Konzern erstmals seinen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER