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Ärzteschaft

Montgomery mahnt zu menschlichem Umgang mit Flüchtlingen

Donnerstag, 2. Juli 2015

Berlin – Einen humanen Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland hat der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) und der Ärztekammer Hamburg, Frank Ulrich Montgomery, gefordert. Er bezog sich dabei besonders auf die Regelungen zur Umverteilung der Flüchtlinge in verschiedene Bundesländer und auf das Hamburger Verfahren zur Altersfeststellung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Nach einer Fehlgeburt, die eine risikoschwangere Frau aus Guinea nach ihrer Umver­teilung von Hamburg nach Nordrhein-Westfalen erlitten hatte, mahnte der BÄK-Präsi­dent, Schwangere benötigten eine besondere menschliche und medizinische Fürsorge. Er forderte den Hamburger Senat auf, die Verschärfung im Umgang mit schwangeren Flüchtlingen zu revidieren und zu der Praxis zurück zu kehren, die Frauen im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft nicht mehr auf andere Bundesländer umzuverteilen. „Risikoschwangere dürfen selbstverständlich auch in einem früheren Stadium nicht umverteilt werden“, so Montgomery.

Privatsphäre muss gewahrt bleiben
Problematisch sei auch die Praxis zur Altersfeststellung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Für eine genauere Altersbestimmung von jungen Flüchtlingen lässt Hamburg im Zweifelsfall auch Genitalien und Brustdrüsen ärztlich begutachten. Die Untersuchung solle klären, ob die Flüchtlinge wie behauptet minderjährig seien, heißt es in der Antwort des Senats auf eine Anfrage der FDP.

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Die Hamburger Sozialbehörde betonte, im Zweifel gebe die Intimuntersuchung nicht den Ausschlag. Im Zentrum der Überprüfung stehe das Röntgen des Kiefers, bei Bedarf auch der Handwurzel sowie eine Untersuchung des Schlüsselbein-Brustbein-Gelenks per Röntgen oder zusätzlicher Computertomographie, sagte ein Behördensprecher.

„Auch bei Untersuchungen der Geschlechtsmerkmale muss die Privatsphäre der zu Untersuchenden gewahrt bleiben“, forderte Montgomery. Dass Jugendliche regelhaft in die Gruppe der Erwachsenen eingeteilt würden, wenn sie an der Untersuchung nicht mitwirkten, konterkariere die vorgebliche Freiwilligkeit und sei weder menschlich noch medizinisch gerechtfertigt, so der BÄK-Präsident.

Die Beteiligung von Ärzten an der Altersfestellung ist kritisch
Grundsätzlich sei es sehr kritisch zu sehen, wenn Ärzte sich an Feststellung des Alters von Flüchtlingen beteiligten. Alterseinschätzungen durch Knochenröntgen oder Computertomographie seien wissenschaftlich nicht unumstritten und sollten daher von Ärzten nicht angewandt werden, betonte der Ärzte-Chef.

Von 2012 bis Ende Mai 2015 haben sich in Hamburg 5.415 Flüchtlinge als minderjährig und unbegleitet gemeldet. In einem Gespräch versuchen Sozialpädagogen zu klären, ob die Angaben zutreffen. Danach wurden 1.685 als minderjährig eingestuft und 1.644 zur näheren Untersuchung ans Universitätsklinikum Eppendorf geschickt. Bei 601 bestätigte sich dort die Minderjährigkeit. © hil/aerzteblatt.de

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