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Politik

„Die Zusammenarbeit mit den Niedergelassenen ist enger geworden“

Montag, 13. Juli 2015

Freiburg i.Br. – Zwischen Hochschulambulanzen und niedergelassenen Fachärzten herrscht teils ein gespanntes Verhältnis. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg, an die auch eine Hochschul­ambulanz angegliedert ist, erklärt, weshalb das nicht so sein muss und wie eine Kooperation zwischen einer Fachklinik mit einer Hochschulambulanz und nieder­gelassenen Fachärzten gelingen kann.

5 Fragen an Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg

DÄ: Warum kommen immer mehr Menschen zur Behandlung in Hochschulambulanzen?
Reinhard: In den Hochschulambulanzen wird meist das gesamte Spektrum des jeweiligen Faches abgebildet. Es liegt eine hohe Kompetenz über die gesamte Breite des Fachgebietes vor. Eine Besetzung der Hochschulambulanzen ist meist über 24 Stunden täglich gewährleistet. Hinzu kommt, dass fachspezifisch, beispielsweise in der Augenheilkunde, viele chirurgische Neuerungen in den vergangenen Jahren implementiert wurden. Diese bieten die Möglichkeit, Erkrankungen zu behandeln, die vor wenigen Jahren als nicht behandelbar galten. Auch spielt die Demographie eine große Rolle. So sind manche Fächer, insbesondere die Augenheilkunde, in besonderem Maße von der Alterung in der Gesellschaft betroffen.

DÄ: Was machen Hochschulambulanzen anders als niedergelassene Fachärzte?
Reinhard: Es geht um ein gutes Miteinander von Hochschulambulanzen und niedergelassenen Kollegen, von dem dann der Patient profitieren kann.

DÄ: Manche niedergelassene Fachärzte empfinden Hochschulambulanzen als eine Bedrohung. Was entgegnen Sie diesen Ärzten?
Reinhard: Es geht immer darum, Patienten gemeinsam bestmöglich zu betreuen. Wie hilfreich eine solche Kooperation sein kann, zeigt sich nicht nur innerhalb des „AugenNetz Südbaden“, sondern auch im Rahmen der Augen-Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, die seit vier Jahren an der Klinik für Augenheilkunde ansässig ist. Dort werden jährlich etwa 6.000 Patienten außerhalb von den Kernarbeitszeiten in enger Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Augenärzten und den Ärzten der Klinik für Augenheilkunde betreut.

DÄ: Was ist das „AugenNetz Südbaden“? 
Reinhard: Das „AugenNetz Südbaden“ wurde 2008 gegründet und besteht mittlerweile aus 50 niedergelassenen Fachärzten für Augenheilkunde, die konstruktiv und zielgerichtet mit der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg kooperieren. In den vergangenen sieben Jahren ist die Zusammenarbeit zwischen den Partnern immer enger geworden. Es besteht nicht nur die Möglichkeit, Patienten online in der Klinik für Augenheilkunde anzumelden, sondern insbesondere die Möglichkeit des gegenseitigen computergestützten Informationsaustauschs, einer postoperativen Qualitätssicherung, der gemeinsamen Ausbildung von Assistenzärzten, der gemeinsamen Erarbeitung und Befolgung von Behandlungsempfehlungen oder der gemeinsamen Durchführung von Fortbildungen. Das „AugenNetz Südbaden“ hat sich in den vergangenen sieben Jahren für alle Beteiligten bewährt, vor allem aber für die innerhalb des „AugenNetz Südbaden“ betreuten Patienten.

DÄ: Künftig sollen Hochschulambulanzen auch Patienten behandeln können, „die wegen Art, Schwere oder Komplexität ihrer Erkrankung einer Untersuchung oder Behandlung durch Hochschulambulanzen bedürfen“, wie es im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz heißt. Welche Patienten dies konkret sind, muss noch verhandelt werden. Ist das gute Regelung?
Reinhard: Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz bildet die Realität ab, nämlich, dass die Hochschulambulanzen nicht nur für Forschung und Lehre stehen, sondern aus der Versorgung von Patienten in der gesamten Breite nicht wegzudenken sind. Ich hoffe sehr, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen, die Kassenärztliche Vereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft sich dahingehend einigen, dass möglichst viele Patienten in den Hochschulambulanzen versorgt werden dürfen.

© fos/aerzteblatt.de

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