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Politik

„Die Zusammenarbeit mit den Niedergelassenen funktioniert sehr gut“

Freitag, 17. Juli 2015

Borstel – Seit April 2014 können sich Ärzte-Teams bei den Indikationen Tuberkulose und atypische Mykobakterien sowie gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) anmelden. Einer der ersten, der dies getan hat, ist Christoph Lange, Lungenfacharzt an der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel in Schleswig-Holstein. Welche Erfahrungen er gemacht hat, hat er dem Deutschen Ärzteblatt erzählt.

5 Fragen an Christoph Lange, Teamleiter eines ASV-Teams zur Behandlung von Tuberkulose

DÄ: Sie leiten eines der ersten Teams, das zur ASV zugelassen wurde. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, an der ASV teilzunehmen?

Lange: Die Versorgung von Patienten mit einer Tuberkulose hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert – vor allem die finanzielle Belastung für die Krankenhäuser, wenn diese Patienten mit einer multiresistenten Tuberkulose versorgen. Die Behandlung von Patienten mit einer Tuberkulose ist eigentlich sehr kostengünstig, denn für den gesamten Therapieverlauf von sechs Monaten fallen nur circa 400 Euro an Medikamentenkosten an. Bei der multiresistenten Tuberkulose liegen die Medikamentenkosten bei etwa 25.000 Euro und bei der extensiv resistenten XDR-Tuberkulose bei annähernd 100.000 Euro. Zum Teil liegen die täglichen Behandlungskosten also bei mehr als 500 Euro alleine für die Medikamente. In unserer Klinik haben wir seit Anfang 2014 circa 30 Patienten mit einer M/XDR-Tuberkulose stationär behandelt, das entspricht annähernd einem Drittel aller Patienten mit dieser Form der Erkrankung in Deutschland. Finanziell ist die Behandlung dieser Patienten für die Kliniken kaum noch leistbar. Auch deshalb haben wir uns dazu entschlossen, an der ASV teilzunehmen.

DÄ: Spüren Sie denn schon finanzielle Auswirkungen durch die ASV?
Lange: Finanzielle Auswirkungen der ASV spüren wir noch nicht. Dafür haben wir bislang aber auch zu wenige Patienten im Rahmen der ASV behandelt. Die multi­resistente Tuberkulose und die Verbreitung von nicht-tuberkulösen Mykobakterien nehmen in Deutschland zu. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Zahl der Erkrankten steigen wird und daher auch die Zahl der Erkrankten, die wir im Rahmen der ASV behandeln werden. Bei den Arzneimittelausgaben werden wir deshalb mittelfristig hoffentlich kosten sparen. 

DÄ: Werden denn mehr Patienten in Ihre Klinik überwiesen, seit Sie an der ASV teilnehmen?
Lange: Nein, die Zahl der Patienten, die zu uns überwiesen werden, liegt nach wie vor bei etwa 40 bis 50 pro Quartal. Das liegt aber auch an der geographischen Lage unserer Klinik im Herzen Schleswig-Holsteins.

DÄ: In Ihrem ASV-Team sind auch zahlreichende niedergelassene Ärzte als hinzuzuziehende Ärzte vertreten. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Lange: Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in der ASV funktioniert sehr gut. Bei Patienten mit einer Wirbelsäulentuberkulose beraten wir uns zum Beispiel konsiliarisch mit unserem orthopädischen Partner, bei Fragen zur operativen Therapie der Lungentuberkulose mit unserem erfahrenen Chirurgen. Insgesamt müssen wir Konsile allerdings wenig in Anspruch nehmen. 

DÄ: Hat die ASV denn das Potenzial, die drängenden Probleme im Gesundheitssystem zu lösen?
Lange: Zunächst: Es ist eine falsche Annahme zu glauben, innerhalb eines gedeckelten Systems könne man insgesamt sparen beziehungsweise mehr einnehmen. Denn die Gelder für die ASV müssen ja aus anderen Töpfen herausgenommen werden. Wir müssen generell überlegen, wie wir der explodierenden Kosten im deutschen Gesund­heitssystem Herr werden können. Und deshalb müssen wir die Frage stellen, ob noch alle Patienten jede Behandlung erhalten können, die möglich ist. An der Notwen­digkeit, eine Antwort auf diese Frage zu finden, ändert die ASV überhaupt nichts.

© fos/aerzteblatt.de

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