NewsPolitik„Ende 2016 wird die ASV ganz anders dastehen als heute“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

„Ende 2016 wird die ASV ganz anders dastehen als heute“

Dienstag, 28. Juli 2015

Grünwald – Gedacht war die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) als dritter Sektor im deutschen Gesundheitswesen, in dem niedergelassene und Krankenhausärzte gemeinsam Patienten mit schweren Erkrankungen behandeln können. Axel Munte, Vorstand des Bundesverbandes ASV sowie früherer Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns, erklärt gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, warum bislang nur wenige Ärzte Interesse an der ASV zeigen und warum sich das in den kommenden Jahren ändern wird.

5 Fragen an Axel Munte, Vorstand des Bundesverbandes ASV

Anzeige

DÄ: Wie viele ASV-Teams gibt es bislang in Deutschland?
Munte: Bisher gibt es nach unseren Informationen etwa 30 genehmigte Anzeigen. Knapp 20 davon sind bereits im ASV-Verzeichnis veröffentlicht.

DÄ: Warum sind es so wenige?
Munte: Die erweiterten Landesausschüsse stellen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedliche Anforderungen an die ASV-Teams. In manchen Ländern müssen die ASV-Teams für ihre Anerkennung bis zu 300 Seiten Unterlagen heranschaffen, die anderen viel weniger. Die Zugangsvoraussetzungen für die ASV sind in Deutschland also extrem ungerecht verteilt. Probleme haben dabei viele Krankenhausärzte. Denn die erweiterten Landesausschüsse wollen zum Teil 15 Jahre alte Zeugnisse sehen, die viele gar nicht mehr besitzen. Die Folge ist, dass dadurch die Anerkennung von ASV-Teams stark verzögert wird. Wir könnten schon viel weiter sein, wenn die Landesausschüsse weniger bürokratisch wären.

Um die Situation zu verbessern, brauchen wir deutschlandweit einheitliche Zugangsvoraussetzungen. Die erweiterten Landesausschüsse müssen sich einigen, welche Unterlagen sie sehen wollen. Es kann doch nicht sein, dass es in Ulm unproblematisch ist, eine Anerkennung zu bekommen, und in Neu-Ulm den Ärzten mit exorbitanten Forderungen Steine in den Weg gelegt werden.

DÄ: Gibt es noch weitere Gründe dafür, dass viele Ärzte vor der Teilnahme an der ASV zurückschrecken?
Munte: Ja, manche niedergelassenen Ärzte machen sich Sorgen wegen der Bereinigung. Denn nach wie vor ist nicht klar, wie bereinigt werden wird. Wird der einzelne Arzt bereinigt oder die gesamte Fachgruppe? Wenn die gesamte Fachgruppe bereinigt würde, wäre der einzelne Arzt natürlich weniger betroffen. Und zu wessen Lasten werden Patienten bereinigt, die in reinen Krankenhaus-ASV-Teams behandelt werden? Zudem ist die Bereinigung in der ASV für die KVen schwer umzusetzen. Denn sie passt gar nicht in ihr bestehendes System, da nun auch Kliniken beteiligt sind. Bis die KVen dieses Problem gelöst haben, wird es noch einige Zeit dauern.

Zudem sagen manche Ärzte auch: Was die ASV verlangt, machen wir schon längst. Wenn zum Beispiel im ländlichen Bayern ein Krankenhaus nicht mehr genug Fachärzte hat, schließt es schon jetzt mit den niedergelassenen Ärzten der Umgebung Honorar- und Konsiliarverträge.

DÄ: Bei onkologischen und rheumatologischen Erkrankungen dürfen Leistungen im Rahmen der ASV künftig auch erbracht werden, wenn die Krankheit nicht schwer verläuft. So steht es im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz. Ist das eine gute Regelung?
Munte: Sie ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. Es gibt aber auch Stimmen, die davor warnen, dass die Änderung zu einer Mengenausweitung in den Krankenhäusern führen werden. Sowohl für die Patienten als auch für die niedergelassenen Ärzte könnte die Neuregelung also auch Nachteile mit sich bringen. Ich glaube auch, dass sie ein Risiko für die niedergelassenen Ärzte beinhaltet, wenn sie missbraucht würde. Ich hoffe aber, dass das nicht der Fall sein wird.

DÄ: Wie wird es mit der ASV weitergehen?
Munte: Ende 2016 wird die ASV ganz anders dastehen als heute. In den Städten wird es einen Run auf die Teambildung geben. Der Onkologe, der meint, er könne seine Patienten alleine versorgen, wird keine Kooperationsmöglichkeiten mehr finden, weil alle Teams besetzt sind. Die Niedergelassenen müssen aufpassen, dass sie nicht irgendwann alleine dastehen. Denn die Vorteile einer extrabudgetären Vergütung werden sich auszahlen.

© fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Oktober 2020
Berlin – Patienten mit Tumoren des Nervensystems werden trotz der Coronapandemie angemessen versorgt. Das berichtet die Kommission Neuroonkologie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).
Versorgung von Patienten mit neuroonkologischen Erkrankungen in Coronapandemie bislang gesichert
17. September 2020
Berlin – Für die Behandlung der rund 32.000 Kindern mit Diabetes mellitus in Deutschland stehen heute modernste Therapien und Technologien zur Verfügung. Dennoch beobachten Experten eine zunehmende
Qualifizierte Versorgung von Kindern mit Diabetes zunehmend gefährdet
30. Juli 2020
Bonn – Bei Schlaganfall, Herzinfarkt oder schweren Verletzungen entscheiden über den Behandlungserfolg der Patienten oft Minuten. Entsprechend wichtig ist es, dass spezialisierte
Regionale Versorgungsdefizite bei Erreichbarkeit von Spezialkliniken
17. Juli 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen (CED) in den Katalog der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) aufgenommen. Den Antrag dazu
Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen in ASV-Katalog aufgenommen
25. Juni 2020
Berlin – Nach den ersten Monaten der Pandemie beginnt unter vielen gesundheitspolitischen Experten eine Debatte über die Lehren für die künftige Versorgung in Deutschland. Dabei müsse die ambulante
Rüddel: „Die ambulante Versorgung ist die Stütze des Systems“
19. Juni 2020
Schwerin – Die Enquetekommission des Landtags zur Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern hat gestern die Arbeit aufgenommen. Sie wird von dem SPD-Abgeordneten Jörg Heydorn
Enquetekommission zur ärztlichen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern gestartet
18. Juni 2020
Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat vor nicht gelösten Problemfeldern bei der gesundheitlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen gewarnt. Demnach ist die Zahl der
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER