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Medizin

Colitis ulcerosa: Erste Erfahrungen mit Stuhltransplantation

Freitag, 3. Juli 2015

Clostridium-difficile /wikipedia

Hamilton/Amsterdam – Nachdem die fäkale Bakterientherapie (Stuhltransplantation) bei der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö gute Erfolge erzielt hat, werden zunehmend auch Patienten mit Colitis ulcerosa behandelt. Die jetzt in Gastroenterology (2015; 149: 102-109 und 110-118) vorgestellten Ergebnisse konnten jedoch nur teilweise überzeugen.

Das Ziel der Stuhltransplantation ist die Normalisierung der Darmflora. Bei der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) ist sie durch vorangegangene Antibiotika-Therapien gestört. Ob eine ähnliche „Dysbiose“ auch bei der Colitis ulcerosa vorliegt, ist umstritten. Aufgrund der guten Studienergebnisse bei der CDAD wurden jedoch an verschiedenen Zentren klinische Studien begonnen. Jetzt liegen erste Ergebnisse aus randomisierten Studien vor.

Paul Moayyedi von der McMaster Universität in Hamilton/Ontario und Mitarbeiter haben 75 erwachsene Patienten mit milder bis mittelschwerer Colitis ulcerosa einmal wöchent­lich rektal mit Einläufen behandelt, die bei der Hälfte der Patienten Darmbakterien von sechs verschiedenen Spendern und bei der anderen Hälfte der Patienten Wasser enthielten. Erste Ergebnis hatte Moayyedi bereits 2014 auf einer Tagung vorgestellt. Damals sah es so aus, als würde die Therapie keine Wirkung erzielen. Die Studie wurde damals vorzeitig abgebrochen.

Die Endauswertung, die weitere Patienten einschließt, kommt jetzt zu einem günstigen Ergebnis: Nach den Stuhltransplanationen erreichten neun von 38 Patienten (24 Prozent) eine Remission (Mayo Score von weniger als 3), in der Kontrollgruppe waren es nur 2 von 37 Prozent (5 Prozent). Der Unterschied war signifikant. Bemerkenswert war, dass sieben der neun Patienten mit einer Remission die Stuhltransplantate von demselben „Spender B“ erhalten hatten. Der Erfolg der Therapie ging mit einer Verbreitung des bakteriellen Spektrums in der Darmflora einher.

Noortje Rossen vom Academisch Medische Centrum Amsterdam und Mitarbeiter behandelten 50 Patienten, die ebenfalls unter einer milden bis mittelschweren Colitis ulcerosa litten. In dieser Studie wurde die Behandlung über eine nasoduodenale Sonde durchgeführt. Sieben von 23 Patienten (30,4 Prozent) erreichten durch die Stuhltrans­plantation eine Remission.

Doch auch in der Vergleichsgruppe war die als „Placebo“ durchgeführte autologe Stuhltransplantation bei 5 von 25 Patienten (20,0 Prozent) erfolgreich. Der Unterschied war nicht signifikant und die Studie wurde ebenfalls vorzeitig abgebrochen. Aber auch in dieser Studie war eine erfolgreiche Therapie mit einer günstigen Veränderung der Darmflora verbunden.

Die Editorialistin Colleen Kelly von der Brown University in Providence/Rhode Island vermag angesichts dieser Ergebnisse derzeit noch keine positive Bewertung der Therapie abgeben. Sie rät dazu, die Ergebnisse von fünf derzeit laufenden Studien (NCT02291523, NCT02330653, NCT02390726, NCT01896635 und NCT02335281) abzuwarten und die Therapie nicht außerhalb von klinischen Studien anzubieten. © rme/aerzteblatt.de

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