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Neue Richtlinie zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktions­ausfalls veröffentlicht

Montag, 6. Juli 2015

Berlin – Die vierte Fortschreibung der Richtlinie zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls ist fertiggestellt und wird in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes erläutert und auf der Internetseite der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) veröffent­licht. Erstellt wurde sie von Mitgliedern des Arbeitskreises „Fortschreibung der Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes“ des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK unter dem Vorsitz von Jörg-Christian Tonn und dem stellvertretenden Vorsitz von Heinz Angstwurm. Dabei bezogen sie viele Sachverständige und Fachgesellschaften, die zuständigen Behörden von Bund und Ländern sowie Mitglieder der Zentralen Ethikkommission bei der BÄK ein.

Bereits am 30. März genehmigte das Bundesministerium für Gesundheit das neu entstandene Regelwerk gemäß § 16 Abs. 3 Transplantationsgesetz (TPG) ohne Beanstandungen. Mit dem heutigen Tag ersetzt die vierte Fortschreibung die bislang geltenden „Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes“, dritte Fortschreibung 1997 mit Ergänzungen gemäß TPG. Die betroffenen Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser und Institutionen werden nun bezüglich der fortgeschriebenen Richtlinie informiert und geschult, wobei insbesondere die medizinischen Voraussetzungen für die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls, die apparativen Untersuchungsmethoden und die präzisierten Qualifikationsanforderungen der an der Diagnostik beteiligten Ärztinnen und Ärzte im Fokus stehen werden.

Richtlinie zur Feststellung des Hirnfunktionsausfalls: Neuer Titel, präzisierte Regeln

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundes­ärzte­kammer hat die Richtlinie zur Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls überarbeitet. Neu sind vor allem die Qualifikationsanforderungen an die diagnostizierenden Ärzte. Kaum eine andere ärztliche Diagnostik steht so häufig im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses wie die Hirntoddiagnostik.

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Neu ist unter anderem der Titel der fortgeschriebenen Richtlinie: So wird bewusst nicht mehr vom Hirntod gesprochen, sondern medizinisch-wissenschaftlich präzise vom irreversiblen Hirnfunktionsausfall als sicherem Todeszeichen. Der umgangssprachliche Begriff „Hirntod“ habe zu Missverständnissen geführt, sagte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery: „Mir ist daher die sprachliche Klarstellung der begrifflichen Bezüge sehr wichtig: Mit der Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamt­funktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms ist naturwissenschaftlich-medizinisch der Tod des Menschen festgestellt.“ Der Arbeitskreis betont zudem, dass die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls nicht allein im Rahmen der Transplantationsmedizin von Bedeutung ist.

Die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls erfolgt in drei Stufen: Voraus­setzung ist sowohl nach der bislang gültigen als auch nach der fortgeschriebenen Richtlinie der zweifelsfreie Nachweis einer akuten schweren primären oder sekundären Hirnschädigung sowie der Ausschluss reversibler Ursachen. In einem zweiten Schritt müssen alle in den Richtlinien geforderten klinischen Ausfallsymptome nachgewiesen werden. Danach muss die Irreversibilität der klinischen Ausfallsymptome bestätigt werden.

Als neue apparative Methoden für den Nachweis des zerebralen Zirkulationsstillstandes haben die in der klinischen Praxis etablierten Verfahren der Duplexsonographie und Computertomographie-Angiographie Eingang in die Richtlinie gefunden. Der irreversible Hirnfunktionsausfall muss unverändert von mindestens zwei dafür qualifizierten Ärzten unabhängig voneinander und übereinstimmend festgestellt und dokumentiert werden. Dabei müssen die Ärzte wie bisher über eine mehrjährige Erfahrung in der Intensiv­behandlung von Patienten mit akuten schweren Hirnschädigungen verfügen.

Dies wurde in der fortgeschriebenen Richtlinie formal und inhaltlich präzisiert: So müssen die den irreversiblen Hirnfunktionsausfall feststellenden und dokumentierenden Ärzte Fachärzte sein und die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten aufweisen, um die Indikation zur Diagnostik eines irreversiblen Hirnfunktionsausfalls zu prüfen, die klinischen Untersuchungen durchzuführen und die angewandte apparative Zusatz­diagnostik im Kontext der diagnostischen Maßnahmen beurteilen zu können. Mindestens ein Arzt muss ein Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie sein.

Die richtliniengemäße ärztliche Qualifikation ist zudem auf dem Protokollbogen zu bestätigen. Dort muss auch der Name des Arztes dokumentiert werden, der den Bericht über den Befund der ergänzenden Untersuchung und die Beurteilung unterschrieben und damit die Verantwortung dafür übernommen hat. Die Musterprotokollbögen sind Anlagen der Richtlinie; sie stehen mit der Veröffentlichung online zur Verfügung. © ER/aerzteblatt.de

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