NewsPolitikAbschaffung der PKV? Linke kann SPD nicht aus Koalitions­solidarität locken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Abschaffung der PKV? Linke kann SPD nicht aus Koalitions­solidarität locken

Montag, 6. Juli 2015

Berlin – Kurz vor Beginn der offiziellen Sommerpause des Bundestages haben am Freitagnachmittag eine Handvoll Gesundheitspolitiker über zwei Anträge der Links­fraktion diskutiert: die Abschaffung der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung sowie die Einführung einer Bürgerversicherung für die Pflege. Harter Stoff, aussichtslose Anträge.

Pia Zimmermann, Pflegepolitikerin bei den Linken, bezeichnete die Finanzierung des aktuell geplanten Pflegestärkungsgesetz II als unsolide, mit dem Pflegevorsorgefonds würden via „Trickkiste“ die Rücklagen in der Pflegeversicherung angegriffen. Um Lasten in der Pflege besser zu verteilen, müsse eine Solidarsystem auch in der Pflege aufgebaut werden. Auch die Pflegeexpertin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg, erklärte: „Es ist nicht die richtige Lösung, weiterhin zwei Versichertensysteme parallel laufen zu lassen. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen sich in einem System an der Finanzierung der Pflege beteiligen.“

Während sich Abgeordnete aus den Oppositionsfraktionen von Linken und Grünen an den Regierungsplänen zum Pflegefonds und der Pflegepolitik abarbeiteten, wurde zugleich das Dilemma der SPD in dieser großen Koalition deutlich: Denn Politik-Wünsche sind etwas anders als die  Regierungswirklichkeit. „Die Bürgerversicherung ist eine ursozialdemokratische Forderung. Sie war es, ist es, und sie wird es bleiben“, sagte beispielsweise SPD-Pflegexpertin Mechthild Rawert. „Wir sind der Meinung, es muss wie im Bereich der Kran­ken­ver­siche­rung eine Bürgerversicherung Pflege geben.“

Anzeige

Dass dieses Vorhaben allerdings in dieser Regierungskonstellation nicht umgesetzt werden kann, ließen die SPD-Politiker nicht unerwähnt. Rawert: „Die soziale Bürger­versicherung steht also für eine nachhaltige Pflegepolitik. Wir fangen selbstverständlich aber jetzt, in dieser Koalition, schon einmal mit den Taten an uns sorgen selbst­ver­ständlich auch noch für die nachhaltige Finanzierung in der Zukunft. Eines ist klar: Die SPD bleibt am Ball.“

Manche sprachen das taktische Spiel, das die Oppositionsparteien mit der SPD treiben, offen an. Heike Baehrens: „Sie wollen uns mir Ihren Anträgen immer wieder einmal aus der Koalitionssolidarität herauslocken. Wenn das aber einmal Erfolg haben soll, dann müssen Ihre Anträge etwas mehr Substanz bekommen“, so die SPD-Abgeordnete aus dem Landkreis Göppingen. Baehrens ist aber überzeugt: „Die Bürgerversicherung wird kommen, sobald eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler die Schwachpunkte der PKV erkennt.“

Die Abgeordneten der CDU/CSU-Koalition konnten dieses offene Bekenntnis des Koalitionspartners zur Bürgerversicherung nicht stehen lassen. „Etwas, was in meinen Augen völlig falsch ist, wird nicht dadurch besser, dass man es immer wieder vorschlägt. Seien Sie der Union dankbar, dass wir in diesem Punkt so standhaft sind“, sagte Erich Irlstorfer (CSU), Mitglied im Gesundheitssauschuss, am Freitag.

Zwar könne man über die Zukunft und mögliche notwendige Reformen in der gesetz­lichen Kranken­versicherung diskutieren. „In diesem Zusammenhang jedoch nur auf das Modell einer Bürgerversicherung als Alternative zu verweisen, liebe Linke, zeugt in meinen Augen nicht von einem konstruktiven Beitrag zu einem System, das sich in seinen Grundfesten bewährt hat“, so Irlstorfer weiter.  Auch ohne das Wort „Bürger­versicherung“ im Koalitionsvertrag „machen wir trotzdem gerade sehr erfolgreiche Gesundheitspolitik“, erklärte der CDU-Abgeordnete Erwin Rüddel.

Erwartungsgemäß wurden beide Anträge nach rund 40 Minuten Debatte mit den Stimmen der Regierungskoalition abgelehnt. Die Linke-Abgeordnete Halina Wawzyniak kündigte eine neue Initiative an: „Nächstes Jahr wieder!“ © bee/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #582750
M. Malone
am Freitag, 3. Juni 2016, 10:22

Korrumpierte Politik

In vielen anderen europäischen Ländern(Schweiz, Niederlande, Österreich u. skandinav. Länder) sind sowohl Kran­ken­ver­siche­rung, Renteversicherung u auch Organisation der Pflege mehr an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert, sozial ausgleichender, krisenfester.
Es fragt sich wieso die Politik, insbesondere unsere "Blockparteien" so behaarlich sich der Realität verweigern und alles aussitzen. Wie bei den Cum Cum Geschäften die über volle 2 Legislaturperioden von 2 SPD Ministern trotz wiederholter Warnungen ignoriert wurden, bleibt nur eine rationale Schlußfolgerung - die Herren habe die Taschen offen gehalten u. gefüllt bekommen. Sollte die Politik jetzt mächtigen Interessengruppen auf die Füße treten - dürften die ehrenwerten Herren mit dem Offenlegen eines Korruptionssumpfes der "Blockparteien" drohen.
Auf Bundes/Landesebene geht es um Millionen vermutl. pro Kopf.
Auf Komunaler Ebene geht es bei den Spitzen unserer Gesellschaft die das "Wir schaffen das" als "wir schaffen an für uns" um Hunderttausende(so bei dem stadtbekannten Architekten, der für sein Ferienhaus in einem NSG auf Rügen das Bauamt im Mehrwert eines sechsstelligen Betrages bei der Baugenehmigung betrügt oder dem RA u. Notar, CDU Stadtrat u. gerichtlich bestellter Betreuer einer alten dementen Dame(weder verwandt u. verschwägert, Geldvermögen ca. 600.000 u. Haus) ein Testament auf seinen Namen ausgestellt bekommen hat.
LNS

Nachrichten zum Thema

7. Dezember 2018
München – In einer unterfränkischen Tagespflege wird mit staatlicher Förderung der Einsatz eines Roboters erprobt. Die bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) erklärte dazu heute in
Bayern fördert Robotereinsatz in Tagespflege
30. November 2018
Berlin – Altenpflegekräfte haben wenig Vorbehalte gegen Roboter als Unterstützungssysteme. Das hat das Forschungsprojekt „Anwendungsnahe Robotik in der Altenpflege“ (ARiA) der Universität Siegen und
Wo Roboter in der Altenpflege helfen können
29. November 2018
Berlin – Neun der zehn umsatzstärksten Arzneimittel, die 2016 neu zugelassen wurden, erreichten im ersten Jahr nach der Zulassung deutlich höhere Marktanteile in der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV)
Privatversicherte erhalten häufiger neue Medikamente
26. November 2018
Berlin – Knapp die Hälfte der Pflegekräfte, die in den vergangenen Jahren aus dem Beruf ausgeschieden sind, kann sich einen Wiedereinstieg in die Pflege vorstellen. Das geht aus der
Potenzial an Berufsrückkehrern in der Pflege ist hoch
26. November 2018
Bonn – Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege ausgesprochen. Unabdingbar seien „faire Entgelt- und Dienstzeitenregelungen“ sowie mehr
Katholikenkomitee mahnt bessere Bedingungen in der Pflege an
21. November 2018
Berlin – In der Diskussion um die neuen Bewertungskriterien für die Qualität in Pflegeheimen hat der GKV-Spitzenverband gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der
Kritik an wissenschaftlichem Gutachten zum Pflege-TÜV
21. November 2018
Kiel – Fast 42.000-mal haben sich Betroffene und Angehörige von Mitarbeitern der Pflegestützpunkte in Schleswig-Holstein beraten lassen. Das sind 10,5 Prozent mehr als 2016, wie aus einer Antwort des
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER