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Politik

Vertriebsstopp des Basalinsulin degludec für viele Patienten problematisch

Dienstag, 7. Juli 2015

dpa

Berlin – Ärzte und Krankenkassen haben den Vertriebsstopp für das Basalinsulin degludec scharf kritisiert. Der Hersteller Novo Nordisk hatte Anfang Juli mitgeteilt, den Vertrieb des Basalinsulins (Handelsname: Tresiba®) in Deutschland Ende September einzustellen.

Als Grund gibt das Unternehmen an, es sei wirtschaftlich nicht tragbar, das Präparat künftig zu dem Listenpreis anzubieten, den die Schiedsstelle nach den Preisverhand­lungen mit dem GKV-Spitzenverband festgelegt habe – dieser soll sich an den Kosten einer Therapie mit Humaninsulin orientieren.

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Nach dem angekündigten Vertriebsstopp wird Tresiba® ab Oktober nur noch über internationale Apotheken bestellt werden können. „Wir sind erschüttert, dass man sich in den Preisverhandlungen nicht einigen konnte“, sagt der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Baptist Gallwitz. „Die Vertriebseinstellung erfolgt nicht aus medizinischen, sondern allein aus Kostengründen“, kritisierte der Diabetologe vom Universitätsklinikum Tübingen.

Betroffene Patienten sollen sich unbedingt mir ihrem Arzt in Verbindung setzen
Für die betroffenen rund 40.000 Patienten bedeutet dies, dass der Wirkstoff ab Oktober nicht mehr verordnungsfähig ist. Sie müssen auf einen anderen Wirkstoff ausweichen. „Wer das Insulin degludec spritzt, sollte sich daher unbedingt in den nächsten Wochen mit seinem behandelnden Arzt in Verbindung setzen, um die Umstellung rechtzeitig zu planen“, rät der Vorstandsvorsitzende von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, Thomas Danne.

Denn andere Präparate hätten eine andere Wirkdauer oder einen anderen Ablauf der Wirkstärke. Daher müsse unter Umständen die gesamte Diabetestherapie neu ausge­richtet werden. „In der Umstellungsphase sind häufigere Blutzuckermessungen und bei vielen Patienten auch Dosisanpassungen notwendig, um Unterzuckerungen zu vermei­den“, betonte Danne. Er wies darauf hin, dass die Umstellung enorme Kosten verur­sache und auch gesundheitliche Gefahren berge.

Scharfe Kritik von der Techniker Krankenkasse
Deutliche Kritik am Hersteller von degludec übte die Techniker Krankenkasse (TK) und verwies auf die Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG). „Die Verantwortlichen bei Novo Nordisk kannten die gesetzlichen Rahmen­bedingungen und sie wussten, dass ihr Präparat keinen Zusatznutzen hat. Umso unverständlicher ist es, dass sie erst mit Hilfe von Pharmaberatern und Marketing breit in den Markt gehen, viele Menschen auf das Präparat einstellen lassen und das Produkt nun wieder vom Markt nehmen“, sagte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Dieses Verhalten sei verantwortungslos und verunsichere Patienten und Ärzte.

Novo Nordisk: Wirtschaftlich nicht mehr tragbar
„Wir bedauern diesen Schritt sehr“, sagte die deutsche Geschäftsführerin von Novo Nordisk, Krisja Vermeylen: „Wir sehen uns durch den Spruch der Schiedsstelle dazu gezwungen, der im Wesentlichen den Forderungen des GKV-Spitzenverbands entspricht und den künftigen Listenpreis auf die Höhe der Kosten einer Therapie mit Humaninsulin festgesetzt hat.“ Es wäre wirtschaftlich nicht tragbar für Novo Nordisk, Tresiba® zu diesem Preis im deutschen Markt weiter zur Verfügung zu stellen, so Vermeylen. Patienten, die Tresiba® anwendeten, sollten ihren Arzt kontaktieren und mit diesem die Umstellung auf ein anderes Insulin besprechen.

Um Ärzte bei der Umstellung von Insulin degludec auf ein anderes Präparat zu unterstützen, bietet die TK in Kooperation mit der Universität Bremen eine telefonische Beratung durch unabhängige Arzneimittelexperten an. Zur Vereinbarung eines Rückrufs können sich Ärzte telefonisch an die Telefonnummer 0800 285 85 80 52 oder mit einem Terminwunsch per E-Mail an „arzneimittelreport@tk.de“ wenden. © hil/aerzteblatt.de

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