NewsMedizinLong QT-Syndrom: Synkopen durch ADHS-Medikamente
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Long QT-Syndrom: Synkopen durch ADHS-Medikamente

Dienstag, 7. Juli 2015

Rochester – Die Verordnung von Stimulanzien zur Behandlung der Aufmerksam­keitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS kann bei Kindern mit Long QT-Syndrom zu kardialen Komplikationen führen. Dies zeigt die Analyse eines Patientenregisters im Journal of Cardiovascular Electrophysiology (2015; doi: 10.1111/jce.12739).

Das Long QT-Syndrom ist eine seltene angeborene Störung der Erregungsleitung, die mit einer verzögerten Repolarisation nach dem Herzschlag einhergeht. Dies kann zu lebensgefährlichen Arrhythmien führen, die typischerweise durch körperliche Anstren­gungen oder andere adrenerge Impulse ausgelöst werden. Die zur Behandlung der ADHS eingesetzten Wirkstoffe aus der Gruppe der Amphetamine, gehören zu den theoretischen Triggern einer Arrhythmie.

Anzeige

ine Analyse des International Long-QT Syndrome Registry durch Valentina Kutyifa, University of Rochester Medical Center, zeigt, dass die Patienten tatsächlich gefährdet sind. Das Patientenregister enthält die Daten von 48 Kindern mit Long-QT Syndrom, die mit ADHS-Medikamenten behandelt wurden. Die Behandlung war durchschnittlich im Alter von 10,7 Jahren begonnen worden. Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 7,9 Jahren kam es bei 62 Prozent der Kinder zu kardialen Arrhythmien, die sich in erster Linie durch Synkopen bemerkbar machten.

In einer Kontrollgruppe gleichaltriger Patienten mit Long QT-Syndrom, die keine ADHS-Medikamente erhalten hatten, erlitten 28 Prozent ein kardinales Ereignis. Kutyifa errechnet eine signifikante Hazard Ratio von 3,07. Die Patienten hatten also ein dreifach erhöhtes Risiko. Bei den männlichen Patienten mit ADHS war das Risiko mit einer Hazard Ratio von 6,80 sogar fast siebenfach erhöht.

Die American Heart Association rät den Pädiatern, vor Beginn der Therapie ein EKG mit 12 Ableitungen durchzuführen. Die Fachinformationen von Ritalin, dem in Deutschland am häufigsten verordneten Stimulans, stellen diese Forderung nicht. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. Juni 2020
Dortmund – Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) könnten von einer sogenannten transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) profitieren. Das geht aus einer
Patienten mit ADHS könnten von Gleichstrom-Stimulation des Gehirns profitieren
17. Juni 2020
Silver Spring/Maryland – US-Ärzte können ihren jugendlichen Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) künftig eine App für ein Tablet verordnen. Die Grundlage für die
Computerspiel unterstützt Behandlung von Kindern mit ADHS
9. April 2020
München – Einige Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zeigen keine Hyperaktivität, sondern sind im Gegenteil eher „still und verträumt“. Darauf weist die Stiftung
Nicht alle ADHS-Kinder sind hyperaktiv
25. Februar 2020
Durham/North Carolina – Eine für Kinder mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) konzipierte Spiele-App für Tablets hat in einer randomisierten Studie die Aufmerksamkeit und die
ADHS: Tablet-App trainiert (nur) die Aufmerksamkeit
24. Februar 2020
Bethesda/Maryland und Stockholm – Kinder von Frauen, die vor der Schwangerschaft adipös waren, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie häufiger an der
Studie: Adipositas der Schwangeren erhöht ADHS-Risiko des Kindes
11. Februar 2020
Sheffield – Kinder und Jugendliche mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden häufiger mit Medikamenten behandelt, wenn ihre Eltern einer niedrigen sozialen Schicht
ADHS: Patienten aus ärmeren Familien werden häufiger mit Medikamenten behandelt
29. Januar 2020
Odense/Dänemark – Die Einnahme des Psychostimulans Modafinil in der Schwangerschaft hat in einer bevölkerungsbasierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 374-376) das Risiko von
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER