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Medizin

Schizophrenie: Studie sieht subkortikale Veränderungen im Kernspin

Mittwoch, 8. Juli 2015

dpa

Atlanta – Patienten mit einer langjährigen Schizophrenie haben Volumenänderungen in subkortikalen Hirnregionen, zu denen laut einer internationalen Meta-Analyse in Molecular Psychiatry (2015; doi:10.1038/mp.2015.63) eine Verkleinerung von Hippo­campus, Nucleus amygdala, Thalamus und Nucleus accumbens gehören, auch das Gesamtvolumen des Gehirns war leicht vermindert.

Die Ursache der Schizophrenie, die bevorzugt im jungen Erwachsenenalter beginnt, ist völlig unbekannt. Hirnforscher vermuten allerdings, dass der Erkrankung eine Entwick­lungs­störung des Gehirns zugrunde liegt, die jedoch bisher morphologisch nicht fassbar ist. Mit leistungsstarken Kernspintomographen (MRI) lassen sich allerdings Volumen­änderungen in einigen subkortikalen Regionen feststellen, der die „Enhancing Neuroimaging Genetics through Meta-Analysis“ oder ENIGMA-Arbeitsgruppe in einer prospektiven Studie nachgegangen ist.

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Das Team um Jessica Turner von der Georgia State University in Atlanta konnte MRI-Daten aus 15 Zentren in Nordamerika und Europa (mit deutscher Beteiligung) zusammentragen. Mit 2.028 Schizophrenie-Patienten und 2.540 gesunden Kontrollen ist es die mit Abstand größte Untersuchung zu Volumenänderungen im Gehirn von Schizophrenie-Patienten.

Die große Teilnehmerzahl hat den Vorteil, dass auch geringe Veränderungen statistisch signifikant belegt werden können – was allerdings die praktische Relevanz einschränkt. Die Ergebnisse sind deshalb in erster Linie für die Grundlagenforschung interessant. Als Hilfsmittel für die Diagnostik dürften sie sich nicht eignen, zumal die Unterschiede zwischen den einzelnen Patienten groß waren und die Messwerte von Schizophrenie-Patienten und Gesunden sich deutlich überlappten.

Die größten Unterschiede konnte Turner in der Größe des Hippocampus nachweisen, einer wichtigen Relais-Station in der Gedächtnisbildung im Gehirn. Es bestand allerdings keine signifikante Korrelation zur Negativsymptomatik, zu der unter anderem kognitive Einschränkungen gehören. Welche Bedeutung die Verkleinerung von Nucleus amygdala und Nucleus accumbens haben, die an der Verarbeitung emotionaler Signale beteiligt sind, ist ebenfalls offen.

Turner geht nicht auf diese Frage ein. Überhaupt kann bei einer Stichproben­untersuchung nicht geklärt werden, ob eine Veränderung Ursache oder Folge einer Erkrankung ist. Turner hebt hervor, dass die Verkleinerung des Hippocampus bei nicht medikamentös behandelten Patienten deutlicher ausgeprägt war. Ob dies allerdings auf eine gewisse Schutzwirkung der Medikamente hinweist, kann die Studie nicht klären.

Das ENIGMA-Projekt untersucht derzeit auch die MRI-Veränderung von Patienten mit bipolarer Störung, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Autismus und Suchterkrankungen. Vor wenigen Tagen hat die Gruppe eine Meta-Analyse zu Patienten mit Major-Depressionen vorgestellt. Auch bei diesen Patienten wurde eine Verkleinerung des Hippocampus beobachtet.

© rme/aerzteblatt.de

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