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Allergologen warnen vor Rabattverträgen für Notfallsets

Freitag, 10. Juli 2015

Wiesbaden – Rabattverträge für sogenannte Adrenalin-Autoinjektor (AAI) gefährden die Sicherheit der Patienten. Das betont das Expertenforum Anaphylaxie. „Diese Verträge würden den Apotheker verpflichten, gesetzlich versicherten Patienten den im Rabatt­vertrag ihrer jeweiligen Kasse festgelegten Injektor anstelle den vom Arzt verordneten auszuhändigen“, erläutert der Sprecher des Expertenforums, Ludger Klimek, Wiesbaden.

Allergologen schulten ihre Patienten sehr sorgfältig auf das jeweilige verordnete Autoinjektor-Modell, damit sie es im Ernstfall sicher anwenden könnten. „Das würde durch eine Aut idem-Regelung, bei der der vertraute Injektor durch ein anderes Modell ausgetauscht würde, ad absurdum geführt. Denn der in der Notfallsituation ohnehin schon verängstigte Patient oder Angehörige wird zusätzlich verunsichert, so dass im äußersten Fall der AAI nicht korrekt oder gar nicht verwendet wird und ernste Gesund­heitsschädigungen oder gar Todesfolge drohen“, warnte Ernst Rietschel, Mitglied des Expertenforums.

Die meisten in Deutschland erhältlichen AAI unterscheiden sich weder in ihrem Wirkstoff, in ihrer Dosierung (0,3 mg für Erwachsene und Jugendliche ab 30 kg Körpergewicht; 0,15 mg für Kinder ab 15 kg Körpergewicht) noch in ihrer Darreichungsform als Injektor und in der Packungsgröße. Zudem sind alle AAI zur Notfallbehandlung einer akuten allergischen Reaktion zugelassen.

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Damit sind auf den ersten Blick die Voraussetzungen zum Austausch auf der gesetz­lichen Grundlage gegeben. „Die Crux ist jedoch, dass sich die AAI hinsichtlich ihrer Funktionsweise und der Nadellänge unterscheiden“, erläutert der Anaphylaxie-Experte Lars Lange. Dadurch sei eine produktspezifische Schulung bei der Verordnung erforderlich.

Das Expertenforum fordert den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss sowie die gesetzlichen Krankenversicherer daher auf, die Aut idem-Regelung für AAI grundsätzlich auszusetzen.

Die Anaphylaxie ist eine potentiell lebensbedrohliche systemische allergische Reaktion. Es handelt sich in der Regel um eine IgE-vermittelte Allergie vom Typ 1, also vom Soforttyp. © hil/aerzteblatt.de

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