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Medizin

Niederiger Testosteronspiegel erhöht Depressionsrisiko

Montag, 13. Juli 2015

Washington – Männer, die ein grenzwertig erniedrigtes Testosteron haben, könnten ein erhöhtes Risiko für Depressionen haben. Michael Irwig und seine Arbeitsgruppe an der George Washington University berichten dazu im Journal of Sexual Medicine (doi:10.1111/jsm.12937). 

Ein manifester Testosteronmangel gilt laut den Forschern als ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression. Unsicher sei jedoch, ob auch Werte an der Grenze eines Mangels das Risiko erhöhen. Physiologisch sinkt bei Männern etwa ab dem 40. Lebens­jahr der Testosteronspiegel. In aller Regel hat dies keine gesundheitlichen Konsequenzen. Einige Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass sich bei vielen Männern ein echter Hormonmangel entwickeln kann.

Die oftmals plakativ bezeichneten „Wechseljahre des Mannes“ sind laut der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) jedoch ein Mythos, der durch die bisherige Evidenz nicht zu stützen ist. Ein echter Testosteronmangel in der Gruppe der 60 bis 79-Jährigen liege lediglich bei drei bis fünf Prozent der Männer vor. Demnach profitieren in erster Linie Patienten mit einer diagnostizierten organischen Erkrankung von einer Substitutionstherapie.

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Die Forscher um Irwig überprüften in einer Gruppe mit 200 Männern im Alter zwischen 20 und 77 Jahren (Median 48) die Prävalenz von depressiven Erkrankungen. Die Männer hatten alle einen grenzwertigen Testosteronspiegel zwischen 6.9–12 nmol/L. Die untere Grenze für den Normalbereich liegt, je nach Labor, bei etwa 10,4 nmol/l. Die Wissen­schaftler befragten die Teilnehmer zu ihrem allgemeinen Gesundheitszustand, Medikation und nach depressiven Symptomen.

Sie stellten fest, dass 56 Prozent der Männer klinische Symptome einer Depression zeigten. Dies übertrifft die durchschnittliche Rate in der allgemeinen Bevölkerung, die zwischen sechs und 23 Prozent liegt. 25 Prozent der Männer nahmen außerdem Antidepressiva ein. In der Gruppe traten zudem überproportional häufig auch andere Symptome eines Testosteronmangels auf, wie Übergewicht, Potenzstörungen und Schlafstörungen.

Die Arbeitsgruppe schließt aus ihrer Studie, dass auch Werte die nahe am unteren Grenzwert liegen oder bereits auf einen leichten Mangel hindeuten, das Risiko für eine Depression erhöhen könnten. Sie empfehlen daher Männer, die Symptome eines Hormonmangels zeigen und an einer Depression leiden, auf einen möglichen Hypogonadismus hin zu untersuchen.

© hil/aerzteblatt.de

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