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Medizin

Wie der Typ 2-Diabetes das Gehirn schädigt

Dienstag, 14. Juli 2015

dpa

Boston – Ein langjähriger Typ 2-Diabetes stört die Regulation der Hirndurchblutung, was in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Neurology (2015, doi: 10.1212/WNL.0000000000001820y) bereits nach zwei Jahren Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen der Patienten hatte.

Das gesunde Gehirn kann die Durchblutung an den Bedarf anpassen. Hirnregionen, die besonders beansprucht werden, erhalten für die Dauer der gesteigerten Hirnaktivität mehr Sauerstoff und Glukose, dem hauptsächlichen Energieträger für Nervenzellen. Bei Patienten mit Typ 2-Diabetes ist diese Regulation der Hirndurchblutung eingeschränkt, behauptet Vera Novak von der Harvard Medical School in Boston, die hierzu Unter­suchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT) bei 40 Senioren durchgeführt hat. Sie benutzte dabei die sogenannte arterielle Spinmarkierung, mit der sich die Durchblutung im Gehirn im MRT messen lässt.

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Die 40 Teilnehmer wurden im Abstand von zwei Jahren zweimal untersucht. Dabei wurden auch kognitive Tests durchgeführt. Neunzehn Teilnehmer litten an einem Typ 2-Diabetes. Die Erkrankung war bei ihnen im Durchschnitt vor 13 Jahren diagnostiziert worden. Schon bei der ersten Untersuchung war die Fähigkeit des Gehirns, die Durchblutung auf die Bedürfnisse anzupassen, eingeschränkt. Bei der zweiten Untersuchung hatte sich die Regulation weiter verschlechtert. Parallel dazu kam es zu einer Verschlechterung in den Tests zur Gedächtnisbildung und den Denkleistungen. Auch die Fähigkeiten der Patien­ten, im Alltag zurechtzukommen, etwa selbstständig zu baden oder zu kochen, hatten nachgelassen.

In einem Test zu Lernfähigkeit und Gedächtnis verschlechterten sich die Ergebnisse der Diabetiker innerhalb von nur zwei Jahren von 46 Punkten auf 41 Punkte, während die gesunden Vergleichspersonen ihre Ergebnisse mit 55 Punkten halten konnten. Die Blutflussregulierung im Gehirn verschlechterte sich bei den Diabetikern im gleichen Zeitrum um 65 Prozent.

Neben dem erhöhten Blutzucker hatten laut Novak auch Entzündungsparameter einen Einfluss auf die Hirndruchblutung. Ein erhöhtes C-reaktives Protein bei der ersten Untersuchung zeigte einen stärkeren Abfall der Blutflussregulation an. In früheren Untersuchungen hatte Novak zeigen können, dass ein langjähriger Diabetes zu einer Atrophie des Gehirns führt. Am stärksten gefährdet sind laut Novak frontale und temporale Regionen, die für Entscheidungsfindung, Sprache, Wortgedächtnis und komplexe Aufgaben zuständig sind. Die aktuelle Studie führt diese Schwächen auf Störungen der Hirndurchblutung zurück. © rme/aerzteblatt.de

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