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Medizin

Kleinzelliges Bronchialkarzinom: Ausfall mehrerer Tumorsuppressoren

Dienstag, 14. Juli 2015

Köln – Der Ausfall von gleich zwei Tumorsuppressor-Genen auf jeweils beiden Chromo­somen ist ein zentrales Kennzeichen des kleinzelligen Bronchialkarzinoms, das fast nur bei Rauchern auftritt. Dies ergab eine Genom-Analyse in Nature (2015; doi: 10.1038/nature14664), die in einigen Fällen Ansätze für neue Therapien bei einer der tödlichsten Krebserkrankungen liefert.

Auf das kleinzellige Bronchialkarzinom (Small Cell Lung Cancer, SCLC) entfallen etwa 15 Prozent aller Lungenkrebsdiagnosen. Fast alle Patienten sind langjährige starke Raucher, was sich auch in der Genom-Analyse zeigt, die ein Team um Roman Thomas von der Abteilung für Translationale Genomik an der Universität Köln an 110 Tumoren durchgeführt hat.

Die Mutationsrate war mit 8,62 Mutationen pro Millionen Basenpaare sehr hoch und der Anteil der C:G- nach A:T-Konversionen, der typisch für die Einwirkungen des Tabak­rauchens sind, war mit 28 Prozent besonders hoch. Reicht bei anderen Krebser­krankungen bereits der Ausfall von einem Tumorsuppressor-Gen aus, um Krebs­wachstum zu erklären, fehlen beim SCLC fast immer zwei Tumorsuppressor-Gene: TP53 setzt normalerweise die Reparatur von DNA-Kopierfehlern in Gang, RB1 verhindert, dass sich Zellen zu schnell teilen.

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Bei den jetzt untersuchten SCLC waren beide Abwehr­mecha­nismen defekt und dies auf beiden homologen Chromosomen. Dies könnte das rasche Wachstum des Tumors erklären, das seltener als andere Lungenkrebs­formen im Frühstadium entdeckt wird und bei dem normalerweise zugunsten einer zumeist palliativen Radiochemotherapie auf eine Operation verzichtet wird.

Die Studie liefert jedoch auch positive Ergebnisse: Bei vier Tumoren, also relativ selten, fanden die Forscher Mutationen in den Genen BRAF, KIT oder PIK3CA, für die es bereits gezielte Medikamente gibt (wobei offen bleibt, welche klinische Wirkung sie erzielen würden).

Für die Zukunft aussichtsreicher könnte die Entdeckung sein, dass 25 Prozent der Tumore inaktivierende Mutationen in Genen aus der NOTCH-Familie haben. Diese Gene sind in den Vorläufer-Zellen der Krebszellen an der Produktion von Hormonen beteiligt. Ihre Reaktivierung verlängerte bei Mäusen die Überlebenszeit auch dann, wenn TP53 und RB1 ausgefallen waren.

Wie dies bei Patienten mit SCLC erreicht werden kann, ist unbekannt. Die Studie hat darüber hinaus noch einige neue Gendefekte entdeckt, deren Bedeutung ebenfalls unklar ist. Für die meisten Patienten ergeben sich aus den Ergebnissen keine neuen Therapieansätze.

© rme/aerzteblatt.de

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