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Medizin

Colitis ulcerosa: Operation kann Mortalität senken

Mittwoch, 15. Juli 2015

Philadelphia – Bei einem schweren Verlauf der Colitis ulcerosa kann eine rechtzeitige Operation lebensrettend sein. In einer US-Studie in den Annals of Internal Medicine (2015; doi: 10.7326/M14-0960) war die Sterblichkeit bei Patienten über dem 50. Lebensjahr nach einer elektiven Kolektomie signifikant niedriger als nach einer medikamentösen Behandlung.

Eine Colitis ulcerosa kann durch eine medikamentöse Therapie nicht geheilt werden. Der Verlauf der Erkrankung lässt sich ebenfalls nicht vorhersagen. Bei einem Fortschreiten der Erkrankung lässt sich eine Kolektomie nicht verhindern. Diese sollte erfolgen, bevor es zu einem medikamentös nicht mehr beherrschbaren Schub, schweren Blutungen oder sogar einer Darmperforation kommt. Denn Notfalloperationen sind bei der Colitis ulcerosa mit einer erheblichen Mortalität verbunden. Angesichts dieser Perspektiven stellt sich für viele Patienten die Frage einer frühzeitigen elektiven Operation.

Die Gastroenterologin Meenakshi Bewtra von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia hat anhand der Abrechnungsdaten von Medicaid und Medicare die Überlebenschancen von Patienten verglichen, die sich für eine elektive Operation oder eine medikamentöse Weiterbehandlung entschieden hatten. Die Analyse umfasst 8.217 Patienten mit einer aktiven Erkrankung. Kriterien für eine aktive Erkrankung waren eine Hospitalisierung wegen einer Colitis ulcerosa, die mehrmalige Verschreibung von Stero­iden innerhalb der letzten 90 Tage sowie die Einnahme von immunsupprimierenden Medikamenten: 830 Patienten hatten sich für die geplante Operation entschieden, die anderen 7.541 Patienten wurden medikamentös behandelt.

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Die Ergebnisse zeigen, dass die Sterberate in beiden Gruppen insgesamt niedrig war: Bewtra gibt sie mit 34 auf 1.000 Personen-Jahre nach der Operation und mit 54 auf 1.000 Personen-Jahre bei einer medikamentösen Behandlung an. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war allerdings signifikant. Bewtra errechnet eine adjustierte Hazard Ratio von 0,67 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,52 bis 0,87. Weitere Analysen zeigten, dass die Unterschiede auf die Altersgruppe der über 50-jährigen mit fortgeschrittener Colitis ulcerosa beschränkt waren. Hier betrug die adjustierte Hazard Ratio 0,60 (0,45-0,79). Dies bedeutet, dass die Sterblichkeit der Patienten nach einer elektiven Kolektomie um relativ 40 Prozent niedriger ist als nach einer fortgesetzten medikamentösen Behandlung.

Der Editorialist David Sachar vom Mount Sinai Medical Center in New York City warnt vor voreiligen Schlüssen. Auch wenn er die „heroischen“ Bemühungen der Autorin lobt, Verzerrungen zu vermeiden, bleibe doch festzuhalten, dass es sich um eine retrospektive Kohortenstudie handelt. Sachar weist darauf hin, dass über Medicare und Medicaid nur eine Minderheit der US-Amerikaner versichert sind. Diese Policen decken die Grundversorgung ab. Die häufig kostspieligen neueren Medikamente müssen die Patienten selbst zahlen. (Die Aussage, dass eine Operation für „ärmere“ Patienten die bessere Lösung ist, dürfte allerdings eine überzogene Interpretation sein, die von den Daten nicht gedeckt ist).

Für Sachar zeigen die Ergebnisse, dass die Vermeidung der Operation nicht das wichtigste Ziel der Therapie sein darf. Auch Bewtra vertritt die Ansicht, dass Ärzte und Patienten frühzeitig in einen Dialog über eine elektive Chirurgie eintreten sollten. Eine rechtzeitige Operation erspare den Patienten nicht nur die Symptome der Erkrankung, sie könnte auch, wenn sie rechtzeitig erfolgt, lebensrettend sein.

© rme/aerzteblatt.de

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