NewsMedizinWilms-Tumor: Chemotherapie ohne Doxorubicin vermeidet Kardiotoxität
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wilms-Tumor: Chemotherapie ohne Doxorubicin vermeidet Kardiotoxität

Donnerstag, 16. Juli 2015

London – Die Behandlungsergebnisse beim Wilms-Tumor, einem embryonalen Nierenkrebs, der unbehandelt zum Tode führt, sind mittlerweile so gut, dass in einer internationalen Studie auf eine Behandlung mit Doxorubicin, einem kardiotoxischen Zytostatikum, verzichtet wurde. Die jetzt im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(14)62395-3) vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass das Konzept aufgeht.

Der Wilms-Tumor (Nephroblastom) ist selten. In Deutschland erkranken im Jahr nur etwa 100 Kinder. Die Standardbehandlung besteht in der Entfernung der befallenen Niere (Nephrektomie) und einer Chemotherapie. In Stadium III erhalten die Kinder zusätzlich eine Radiotherapie. Die Behandlungsergebnisse sind exzellent. Die Heilungschancen betragen 90 Prozent. Doch der Einsatz des Anthrazyklins Doxorubicin (Adriamycin) führt nicht selten zu einer Schädigung des Herzmuskels.

Die International Society of Paediatric Oncology (SIOP) hat deshalb in einer Studie untersucht, ob ein Verzicht auf Doxorubicin möglich ist: Alle 583 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 18 Jahren mit einem Wilms-Tumor im Stadium II-III (mit histologisch intermediärem Risiko) erhielten in den vier Wochen vor der Nephrektomie eine Chemotherapie mit Vincristin und Actinomycin D. Nach der Operation wurde die Chemotherapie mit Vincristin und Actinomycin D fortgesetzt. Nur die Hälfte der Kinder erhielt allerdings die früher übliche Kombination mit Doxorubicin. Der primäre Endpunkt war eine Non-Inferiorität im ereignisfreien Überleben nach zwei Jahren.

Anzeige

Wie das Team um Norbert Graf von der Universität Homburg/Saar jetzt mitteilt, hat die Studie ihr Ziel erreicht: Das ereignisfreie 2-Jahres-Überleben war beim Verzicht auf Doxorubicin mit 88,2 Prozent nur geringfügig niedriger als unter der früheren Standardtherapie mit Doxorubicin, wo 92,6 Prozent nach zwei Jahren ohne Rezidiv und am Leben waren.

Der Unterschied von 4,4 Prozent war zwar mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,4 bis 9,3 Prozent signifikant. Er lag aber unter der als Ziel ausgegebenen Marge von 10 Prozent. Im 5-Jahres-Überleben (96,5 Prozent mit Doxorubicin und 95,8 Prozent ohne Doxorubicin) bestand praktisch kein Unterschied zwischen den Gruppen. Von den 291 Kindern, die mit Doxorubicin behandelt wurden, haben jedoch 15 (5 Prozent) eine Schädigung der Herzmuskels erlitten, so dass für Graf der Verzicht auf Doxorubicin die bessere Wahl ist.

Da der Wilms Tumor sehr selten ist, dauerte es acht Jahre, bis an 251 Zentren in 26 Ländern genügend Patienten für die Studie rekrutiert werden konnten, die in Deutschland von der Deutschen Krebshilfe finanziert wurde. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER