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Medizin

Antidepressivum plus NSAID kann Hirnblutung auslösen

Donnerstag, 16. Juli 2015

dpa

Seoul – Die zusätzliche Verordnung eines nicht-steroidalen Antiphlogistikums (NSAID) erhöht bei Patienten unter einer Dauertherapie mit Antidepressiva möglicherweise das Risiko einer Hirnblutung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kohortenstudie aus Südkorea im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2015; 351: h3517).

Blutungen gehören zu den gefürchteten Nebenwirkungen von NSAID. Dass auch Antidepressiva das Risiko erhöhen, ist weniger bekannt, obwohl in den Fachinfor­mationen der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) darauf hingewiesen wird. Das Blutungsrisiko ist biologisch plausibel, da die SSRI nicht nur im Gehirn wirken. Im peripheren Blut blockieren sie die Aufnahme von Serotonin in die Thrombozyten. Serotonin ist aber eine wichtige Signalsubstanz bei der Thrombozytenaggregation. Ein Mangel an Serotonin kann deshalb das Blutungsrisiko erhöhen.

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Bei gleichzeitiger Einnahme von NSAID und Antidepressiva verstärkt sich das Blutungs­risiko. Nachgewiesen ist dies für gastrointestinale Blutungen (Meta-Analyse in Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2008; 27: 31-40). Ein Team um Byung-Joo Park von der Universität Seoul hat jetzt untersucht, ob auch das Risiko von Hirnblutungen erhöht ist. Dazu stellten sie in einer Propensity-Analyse 4 Millionen Patienten gegenüber: Die eine Hälfte war nur mit Antidepressiva behandelt worden, die andere Hälfte hatte zusätzlich ein NSAID erhalten.

In der ersten Gruppe mit alleiniger Antidepressiva-Behandlung kam es zu 1,6 intra­kraniellen Blutungen auf 1000 Personen-Jahre. In der zweiten Gruppe stieg die Rate innerhalb von 30 Tagen nach der zusätzlichen Verordnung eines NSAID auf 5,7 auf 1000 Personen-Jahre. Eine Analyse, die die Verordnung von Warfarin, Heparin und Steroiden berücksichtigte, ergab eine adjustierte Odds Ratio von 1,6, die mit einer 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,32 bis 1,85 signifikant war.

Dabei war das Risiko nicht nur für SSRI, sondern auch für trizyklische Antidepressiva erhöht. Für Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) wurde dagegen ein vermindertes Risiko für die kombinierte Therapie gefunden, was möglicherweise an einem erhöhten Risiko unter der SSNRI-Therapie lag (4,4 Hirnblutungen auf 1000 Personen-Jahre).

Auch wenn das absolute Risiko für den einzelnen Patienten gering ist, sind die Ergebnisse für den Editorialisten Stewart Mercer von der Universität Glasgow doch ein Grund zur Besorgnis. Er weist darauf hin, dass eine Ko-Medikation mit NSAID und Antidepressiva häufig ist, da etwa 65 Prozent aller Patienten mit Depressionen auch unter chronischen Schmerzen leiden, die häufig mit NSAID behandelt werden.

© rme/aerzteblatt.de

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