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Medizin

Transkranielle Magnetstimulation mildert Tinnitus

Donnerstag, 16. Juli 2015

dpa

Portland – Eine repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), die mittels starker Magnetfelder die elektrische Aktivität von Hirnzellen beeinflusst, hat in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Otorhinology Head and Neck Surgery (2015; doi:10.1001/.jamaoto.2015.1219) einen Tinnitus gelindert.

Die rTMS beruht auf dem physikalischen Prinzip der Induktion, nach dem ein wechseln­des Magnetfeld in elektrischen Leitern einen Stromfluss erzeugen kann. Im menschlichen Gehirn wirken sich die Magnetfelder auf die Leitung der Nervenzellen aus. Die Neuro­physiologen gehen davon aus, das eine niederfrequente rTMS die Hirnaktivität eher blockiert, während mit einer höherfrequenten rTMS eine Stimulation der Neuronen erzielt wird.

Das Team um Robert Folmer vom National Center for Rehabilitative Auditory Research in Portland, einer Einrichtung der US-Veteranen-Behörde, entschied sich für eine niederfrequente Stimulation mit 1 Hertz. Funktionelle Studien hatten gezeigt, dass Patienten mit Tinnitus eher eine erhöhte Aktivität im auditorischen Cortex haben. Eine Blockade der Hirnaktivität erschien deshalb als der plausiblere Ansatz.

An der Studie nahmen 64 Patienten teil, die länger als ein Jahr über einen dauerhaften Tinnitus klagten, deren Lautstärke sie auf einer numerischen Skala mit mindestens sechs von zehn Punkten einstuften. An zehn aufeinander folgenden Werktagen erhielten die Patienten jeweils 2000 Pulse einer rTMS in einer Frequenz von 1 Hertz. Allerdings war das Gerät nur bei jedem zweiten Patienten angeschaltet, was weder der Patient noch der Therapeut wusste.

Primärer Endpunkt war der „Tinnitus functional Index (TFI)“, der die Auswirkungen der Ohrgeräusche in acht Bereichen misst und eine Punktzahl von 0 bis 100 annehmen kann. In den 26 Wochen nach dem Ende der Therapie wurden die Patienten mehrmals nach ihren Ohrgeräuschen befragt. Ein Ansprechen der Therapie war definiert als eine Verbesserung um 7 Punkte im TFI.

Dieses Ziel erreichten unter Placebo 7 von 32 Patienten (22 Prozent). Unter der „echten“ rTMS sprachen 18 von 32 Patienten (56 Prozent), also mehr als doppelt so viele, auf die Behandlung an. Die Unterschiede waren signifikant und die Therapie damit wirksam. Bei Patienten mit einem stärkeren Tinnitus war die Wirkung laut Folmer tendenziell besser als bei Patienten mit leichten Ohrgeräuschen.

Die Ohrgeräusche wurden durch die zehntägige Behandlung über einen Zeitraum von bis zu 26 Wochen abgeschwächt. Sie verschwanden allerdings nicht vollständig. Folmer nennt keine absoluten Zahlen. Aus der Abbildung 2 wird aber ersichtlich, dass die Verbesserungen 10 bis 15 Punkten auf dem 100-Punkte TFI betrugen.

Die Scheinbehandlung erzielte eine Verbesserung um bis zu 4,4 Punkte. Eine wichtige Einschränkung ist sicherlich die geringe Teilnehmerzahl von 64 Patienten, die zudem aus einer Gruppe von 164 gescreenten Personen ausgewählt wurden. Angesichts der Häufigkeit der Erkrankung – 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen geben auf Befragen Ohrgeräusche an – dürften die Fachgesellschaften weitere Studien fordern, bevor sie die Therapie empfehlen. © rme/aerzteblatt.de

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gennadij
am Sonntag, 19. Juli 2015, 23:05

Herr

Guten Abend.
Warum, weiß ich nicht, aber erste ,,Anfall" über die Medizin der Nazi-Zeit. Obwohl genauso wie gegenwärtige Zeit, War und ist dies die Zeit der internationalen menschlichen wissenschaftlichen Aufschwung. Und dazu zweite ,, Einfall" aus Hermann Hesse, Parodie auf 2-te Weltkrieg:
,,Selig, wer sich vor der Welt ohne Hass verschließt.
Einen Sohn am Busen hält, und ihn dann erschiesst."
MfG
gena

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