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Medizin

Prostatakrebs: Überlebensvorteile durch Dosis-Eskalierung der Radiotherapie

Freitag, 17. Juli 2015

Prostatakarzinom: Mikroaufna

Philadelphia – Die Dosis-Eskalierung, die mit der Einführung moderner dreidimensionaler Bestrahlungstechniken möglich wurde, hat in den USA die Überlebenschancen von Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom verbessert. Ein Vorteil war allerdings in der Auswertung eines Krebsregisters in JAMA Oncology (2015; doi: 10.1001/jamaoncol.2015.2316) nur bei Tumoren mit intermediärem oder hohem Risiko nachweisbar.

Die Zielsicherheit der Radiotherapie hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Mit der 3-D konformalen Strahlentherapie werden die Tumoren aus mehreren Richtungen bestrahlt und die intensitätsmodulierte Strahlentherapie erlaubt es sogar, die Dosis innerhalb des Strahlenfeldes zu variieren. Die Strahlendosis konnte dadurch auf weit über 70 Gray erhöht werden.

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Die Strahlentherapeuten sind fest davon überzeugt, dass diese Dosis-Eskalierung nicht nur den Tumor besser zerstört, sondern auch die Überlebenschancen der Patienten erhöht. Den Beweis sind sie in einem häufigen Einsatzgebiet, der Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms, bisher schuldig geblieben. Fünf randomisierte Studien haben in den letzten Jahren keinen Rückgang der Gesamtüberlebensrate zeigen können, und auch die zuletzt auf der Jahrestagung der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) vorgestellten Ergebnisse des RTOG 0126 Trial waren in dieser Hinsicht eine Enttäuschung.

Trotz einer Teilnehmerzahl von 1.532 Patienten mit lokalisierten Prostatakarzinom war nach sieben Jahren nicht erkennbar, dass die Steigerung der Dosis von 70,2 auf 79,2 Gray die Überlebensrate verbessert. Dies könnte daran gelegen haben, dass auch sieben Jahre nach der Therapie erst 3 Prozent der Patienten am Prostatakrebs gestorben waren. Dennoch stellt sich die Frage, ob sich die Investitionen in die kostspieligen neuen Bestrahlungsgeräte gelohnt hat.

Die jetzt von Anusha Kalbasi von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia vorgestellten Ergebnissen dürften viele Radioonkologen wieder ermutigen. Kalbasi kann zwar keine neuen Daten aus randomisierten Studien vorstellen. Seine Analyse der National Cancer Data Base – einem Patienten-Register zweier US-Fachgesellschaften, das 70 Prozent aller US-Patienten umfasst – kann jedoch für sich in Anspruch nehmen, die derzeitige US-Behandlungspraxis abzubilden, und mit 42.481 Patienten ist die Fallzahl größer als die aller randomisierten Studien zusammen.

Die Ergebnisse zeigen, dass US-Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom, die 2004 bis 2006 eine Strahlentherapie mit Dosis-Eskalation (75,6 Gy bis 90 Gy) erhalten haben, nach 7 Jahren häufiger am Leben waren als Patienten, die eine Standarddosis von 68,4 Gy bis 75,5 Gy) erhalten hatten. Der Unterschied war allerdings gering und er hing davon ab, ob der Tumor aufgrund von Gleason-Score, präoperativem PSA-Wert und T-Stadium als niedrig, intermediär oder hoch eingestuft wurde.

Bei Tumoren mit niedrigem Risiko betrug die 7-Jahres-Gesamtüberlebensrate der Patienten bei beiden Bestrahlungsvarianten 86 Prozent. Bei Tumoren mit intermediärem Risiko lebten sieben Jahre nach der Radiotherapie mit Dosis-Eskalierung 82 Prozent der Patienten gegenüber 78 Prozent nach der Standardtherapie. Bei hohem Risiko verbesserte die Dosis-Eskalierung die 7-Jahres-Gesamtüberlebensrate von 69 auf 74 Prozent. Der Unterschied ist demnach gering, er war aber in einer Propensity-Analyse, die die Unterschiede in den Patienteneigenschaften ausgleicht, signifikant. Nach einer Berechnung von Kalbasi kommt es pro 2 Gray Dosissteigerung bei Tumoren mit intermediärem Risiko zu einer Zunahme der 7-Jahres-Gesamtüberlebensrate der Patienten um 7,8 Prozent und bei Tumoren mit hohem Risiko um 6,3 Prozent.

Bei Tumoren mit niedrigem Risiko stellt sich laut Kalbasi nicht nur die Frage, ob dieser Patienten eine Dosis-Eskalierung benötigen. Möglicherweise sei es sinnvoll, den Beginn der Therapie auf einen Zeitpunkt zu verschieben, an dem das Risiko durch den Tumor weiter angestiegen ist. Dies könnte einigen Patienten die Risiken der Strahlentherapie ersparen. Wie bei allen retrospektiven Studien besteht jedoch die Gefahr, dass die Propensity-Analyse nicht alle Unterschiede zwischen den Patienten erkannt hat und die Ergebnisse die Therapiechancen verzerrt darstellen. Um endgültige Gewissheit zu erlangen, müssen die Radioonkologen wohl noch einige Jahre warten, bis weitere Langzeitergebnisse aus den randomisierten Studien vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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