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Politik

Gruppen- und Einzeltherapie künftig auch in den psychoanalytisch begründeten Verfahren flexibel einsetzbar

Freitag, 17. Juli 2015

Berlin – Auch in der tiefenpsychologisch fundierten und in der analytischen Psycho­therapie sind zukünftig Einzel- und Gruppentherapie kombinierbar. Bislang ist eine solche Möglichkeit in diesen Verfahren nur im Ausnahmefall vorgesehen. In der Verhaltenstherapie ist die Kombinierbarkeit dagegen möglich. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat Mitte Juli in Berlin eine entsprechende Änderung der Psychotherapie-Richtlinie beschlossen.

Das Beratungsverfahren war auf Anregung der Patientenvertretung im G-BA durchgeführt worden. „Wir haben über Expertenbefragungen und die Auswertung wissenschaftlicher Studien Hinweise gewonnen, wonach eine kombinierte Einzel- und Gruppentherapie sowohl in der tiefenpsychologisch fundierten als auch in der analytischen Psychotherapie positive Effekte haben kann“, sagte Harald Deisler, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Psychotherapie.

Innerhalb von vier Jahren will der G-BA prüfen, wie sich die Flexibilisierung auf die Inanspruchnahme der Gruppentherapie – auch in Relation zur Einzeltherapie und entsprechenden Kombinationen – auswirkt und ob das Ziel einer besseren Versorgung erreicht wird. „Interessant zu beobachten wird beispielsweise sein, ob die Zahl der Gruppentherapien steigt. Dies wäre auch ein Beitrag, Wartezeiten zu verhindern“, betonte Deisler.

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Gruppenpsychotherapie könnte an Bedeutung gewinnen
Bislang mache Gruppenpsychotherapie weniger als zwei Prozent der geneh­migungspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen aus, heißt es aus der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Mit der Flexibilisierung der Richtlinie könnte sie künftig mehr an Bedeutung gewinnen. Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hatte der Gesetzgeber beschlossen, die Gruppentherapie zu fördern.

Verständigen sich Therapeut und Patient darauf, Einzel- und Gruppentherapie zu kombi­nieren, ist hierfür ein Gesamtbehandlungsplan zu erstellen. Wird ein Patient gleichzeitig von verschiedenen Therapeuten behandelt, stimmen sie – sofern der Patient hiermit einverstanden ist – ihre jeweiligen Gesamtbehandlungspläne miteinander ab und informieren sich gegenseitig über den Behandlungsverlauf.

In der stationären Versorgung längst Standard
Die BPtK begrüßt diese Änderung der Psychotherapie-Richtlinie, die sie seit Jahren gefordert hatte: „In der stationären Versorgung ist die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie für viele Erkrankungen längst Standard. In der ambulanten Versorgung behinderte die Psychotherapie-Richtlinie bislang jedoch einen flexiblen Einsatz beider Therapieformen“, schreibt die Kammer in einer Pressemitteilung.

G-BA betont Bedeutung der PREFERE-Studie
Zudem hat der G-BA gestern die Bedeutung der Prostatakrebs-Studie PREFERE unterstrichen und gemeinsam mit der Patientenvertretung das Anliegen bekräftigt, dass die Studie zu einem erfolgreichen Abschluss kommt. Der G-BA appellierte dabei an alle beteiligten Akteure, zum Gelingen der Studie beizutragen, um auf ihrer Basis eine bessere wissenschaftliche Grundlage für die Wahl der Behandlungsstrategien zu erhalten.

In der Leitlinie zur Behandlung des Prostatakarzinoms zur Erstbehandlung beim lokal begrenzten Prostatakrebs werden folgende vier Behandlungsmöglichkeiten empfohlen:

  • die vollständige Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie)
  • die Strahlentherapie von außen über die Haut (perkutane Strahlentherapie)
  • die Bestrahlung durch dauerhaft in der Prostata platzierte, kleine Strahlenquellen (permanente Seed Implantation oder Brachytherapie)
  • eine aktive Überwachung (Active Surveillance) mit regelmäßigen medizinischen Kontrollen, bei der die Behandlung einsetzt, wenn die Erkrankung fortschreitet.

Unklar ist derzeit jedoch, von welcher dieser Behandlungsoptionen der Patient unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen und Komplikationen auf lange Sicht am meisten profitiert. Dies herauszufinden, ist das Ziel der PREFERE-Studie, die eine Nachbeobachtungszeit des Patienten von mindestens 13 Jahren vorsieht.

© pb/aerzteblatt.de

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