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Medizin

Studie: Antibiotika könnten Rheumaerkrankung bei Kindern begünstigen

Montag, 20. Juli 2015

dpa

New Brunswick – Patienten, die an einer juvenilen idiopathischen Arthritis erkranken, haben als Kleinkinder doppelt so häufig wie andere Gleichaltrige Antibiotika erhalten. Dies geht aus einer Fall-Kontroll-Studie in Pediatrics (2015; doi: 10.1542/peds.2015-0036) hervor, die ein neues Licht auf die Ätiologie von rheumatischen Erkrankungen im Kindesalter wirft.

Die juvenile idiopathische Arthritis (JIA), ein Oberbegriff für den Morbus Still und eine Reihe anderer chronisch entzündlicher, sprich rheumatischer Gelenkerkrankungen im Kindesalter, ist selten. Die Prävalenz wird mit 20 bis 30 Erkrankungen auf 100.000 Kinder und Jugendliche angegeben. Die Ursache ist unklar. Viele Erkrankungen, vor allem, wenn neben den Gelenken andere Organe (beispielsweise das Auge) erkranken, sind vermutlich Folge einer Autoimmunerkrankung. Als Trigger werden Infektionen diskutiert. Sie sollen zur Bildung von Antikörpern führen, die dann versehentlich auch körpereigene Strukturen angreifen.

Seit einigen Jahren wird diskutiert, ob häufige Antibiotika-Behandlungen einen Einfluss auf die Entstehung von Autoimmunerkrankungen haben könnten, da sie die normale Darmflora und die mikrobielle Besiedlung anderer Körperoberflächen stören und Infek­tionen mit ungewöhnlichen Erregern begünstigen, die dann als „Trigger“ wirken.

Ein Team um Daniel Horton von der Rutgers University in New Brunswick im US-Staat New Jersey hat hier eine britische Datenbank befragt. Das Health Improvement Network (THIN) hat die Krankenakten von 11 Millionen Hausarztpatienten gespeichert. Darunter waren 450.000 Kinder, von denen wiederum 152 an einer JIA erkrankt waren. Horton verglich diese Patienten mit anderen Patienten gleichen Alters und Geschlechts aus der Datenbank, wobei Kinder mit anderen (vermuteten) Autoimmunerkrankungen wie entzündlichen Darm­er­krank­ungen oder späteren systemischen rheumatischen Erkrankungen sowie Patienten mit Immunschwäche ausgenommen waren.

Die Auswertung ergab, dass Patienten mit JIA doppelt so häufig in ihrer frühen Kindheit und vor Ausbruch der Gelenkerkrankung mit Antibiotika behandelt worden waren. Die adjustierte Odds Ratio betrug 2,1 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,2 bis 3,5 signifikant. Für einen kausalen Zusammenhang (der durch Fall-Kontroll-Studien allein nicht belegt werden kann) spricht, das es eine Dosis-Wirkungs-Beziehung gab. Kinder, die mehr als fünf Antibiotika-Behandlungen erhalten hatten, erkrankten dreimal häufiger an einer JIA (adjustierte Odds Ratio: 3,0; 1,6-5,6). Viele Kinder erkrankten innerhalb eines Jahres nach der Antibiotika-Behandlung an der JIA.

Die Behandlung mit Antimykotika oder antiviralen Medikamenten war laut Horton nicht mit einer erhöhten Zahl von Erkrankungen assoziiert. Für eine Rolle der Antibiotika-Behandlungen spricht, dass behandelte obere Atemwegsinfektionen stärker mit der JIA assoziiert waren als unbehandelte obere Atemwegsinfektionen.

Das Risiko, nach einer Antibiotika-Behandlung an einer JIA zu erkranken, ist jedoch sehr gering. Horton schätzt, dass nur jedes tausendste Kind eine JIA entwickelt. Falls Antibiotika (oder die Veränderung der mikrobiellen Besiedlung, die sie verursachen) an der Entstehung der JIA beteiligt sind, dann sind sie, so Horton, sicherlich nicht der einzige Auslöser. © rme/aerzteblatt.de

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