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Politik

Modellprojekt: HPV-Impfung an sechs hessischen Grundschulen

Montag, 20. Juli 2015

dpa

Bensheim – Am Zervixkarzinom erkranken allein in Deutschland jährlich etwa 5.000 Frauen; fast 1.600 sterben daran. Zudem müssen bundesweit mehr als 90.000 Frauen pro Jahr operiert werden, um Krebsvorstufen zu entfernen. Vielen Frauen könnte dieses Schicksal künftig erspart bleiben, wenn sie frühzeitig gegen Humane Papillomviren (HPV), dem Hauptauslöser für Gebärmutterhalskrebs, geimpft werden.

Trotz klarer Studienlage und Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist die HPV-Impfrate in Deutschland jedoch immer noch gering. Nur jedes dritte Mädchen wird geimpft, in Hessen sogar nur jedes fünfte. „Es ist paradox. Wir blicken nun auf einen Forschungszeitraum von über 15 Jahren und Erfahrungswerte aus einer langjährigen, weltweiten Anwendung zurück, die die Sicherheit und Wirksamkeit der HPV-Impfstoffe bestätigen. Dennoch wird die Schutzimpfung bislang nur von wenigen Mädchen und jungen Frauen in Anspruch genommen“, resümiert Harald zur Hausen, Medizin-Nobel­preisträger und Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), auf dessen Forschungen die Impfstoffentwicklung beruhen.

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Verdopplung der Impfrate als Ziel
Ein neues Modellprojekt in der Metropolregion Rhein-Neckar, das mit dem nächsten Schuljahr 2015/16 im südhessischen Kreis Bergstraße anläuft, soll das ändern und zu einer Verdopplung der Impfrate führen, indem die Aufklärung bereits in der Grundschule ansetzt. Grundlage des Projekts, das zunächst bei Grundschülerinnen der 4. Klasse an je drei Grundschulen in Bensheim und Lampertheim startet, bildet die Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Diese rät zu einer Impfung (Zwei-Dosen-Impfschema) für alle Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren. „Je früher die Impfung erfolgt, desto besser ist der Schutz, da das Immunsystem in jungen Jahren besonders gut auf die HPV-Antikörper anspricht“, erläutert Claus Köster, Präsident des Gesundheitsnetzes Rhein-Neckar.

Umfassende Information der Eltern 
Bei Elternabenden zu Schuljahresbeginn werden Fachärzte ausführlich über die Impfung informieren und Fragen zur Wirksamkeit und möglichen Risiken beantworten. Zusätzlich bietet das Gesundheitsamt Kreis Bergstraße eine telefonische Impfberatung an. Interessierte Eltern können ihre Töchter anschließend an einem Impftag in der Schule von einem der beteiligten Ärzte impfen lassen. Geplant sind zwei Termine: Die erste Impfdosis wird im November, die zweite sechs Monate später im Mai 2016 verabreicht. Ist das Kind an diesen Terminen nicht gesund und damit nicht impffähig, kann die Impfung in einer Arztpraxis nachgeholt werden. „Die Impftage sind ein Angebot“, betont Köster. „Jeder kann und sollte frei entscheiden, ob er dieses Angebot in Anspruch nimmt.“

Begleitung durch das Krebsforschungszentrum
Das DKFZ in Heidelberg (Prof. Dr. Hermann Brenner) ist wissenschaftlicher Partner des Modellprojekts. Die Erkenntnisse der Pilotphase sollen in einem Handlungsleitfaden münden, der unter anderem mit Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch anderen Städten und Regionen zur Verfügung gestellt soll. Beteiligt sind unter anderem die Initiative „Prävention in der Metropolregion Rhein-Neckar“, das Hessische Ministerium für Soziales und Integration sowie Vertreter verschiedener Ärztegruppen. © KBr/aerzteblatt.de

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Avatar #108046
Mathilda
am Dienstag, 21. Juli 2015, 12:27

Impftage in der (Grund-)Schule

Sehr gut! Nur: warum wird an diesen Impftagen nur gegen HPV geimpft? Ein etwas früherer Impftermin, und schon würde sich auch die Grippe-Impfung mit anbieten. Außerdem könnten die Impfausweise 14 Tage vorher eingesammelt und der komplette Impfstatus geprüft werden. Dann kann Schülerbezogen die Zustimmung der Eltern zu allen fehlenden Impfungen eingeholt und diese zum Impftermin gegeben werden (bei zu großer Häufung müsste noch ein Praxistermin angeboten werden). So könnte man alle die Schüler erreichen, deren Eltern aus Unkenntnis Impfungen versäumen. Die Beratung würde mal ein anderer Arzt als der Haus-/Kinderarzt vornehmen, so dass die Eltern mal andere Meinungen hören. Und die Kinder hätten weniger Angst vor den Impfungen (falls sie die überhaupt haben), da sich in der Gruppe bzw. mit der besten Freundin/dem besten Freund alles leichter erträgt.
LNS

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